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KW 02 2002

06.01.2002 - 13.01.2002

Es ist Sonntag, der 06.Januar und heute heißt es früh aufstehen. Petra und Martin müssen um 08:30 Uhr gerüstet sein, denn dann kommt das Taxi dass sie zum Flughafen bringt, also heißt es Auf Wiedersehen sagen.
Wir sagen das auch bald zu Jolly Harbour, denn hier muss man nun wirklich nicht länger als nötig bleiben. So tanken wir noch ein paar Liter Wasser und müssen tatsächlich den vollen Preis an Liegegebühren abdrücken. Also sind um 10 Uhr die Leinen los und wir verlassen diesen doch etwas trostlos wirkenden Ort.
Wir fahren nicht weit, nur 13 sm bis nach Falmouth Harbour.
Der Weg dort hin ist zwar nicht lang, aber ziemlich spannend, denn Antigua ist sozusagen umgeben von Riffen, und so ist es auch hier. Thomas steuert durch den Goat Head Channel und ich liefere eine Position nach der Anderen und den zugehörigen Kurs.
Da sich jetzt auch noch dicke Wolken vor die Sonne schieben ist das besonders wichtig, denn dann sind die Riffe schwer zu erkennen.
Die Wolken bringen gleich noch einen dicken Regenschauer und 30Kts Wind mit sich. Wind ist ja gut, aber bitte nicht von Vorne und dann die Welle auch noch von Vorne. So ist die Strecke zwar kurz aber heftig!
Dafür bekommen wir auch etwas Besonderes geboten; wir sehen einen recht großen Rochen der komplett aus dem Wasser herausgesprungen ist. Und direkt in der Einfahrt zu Falmouth Harbour schwimmt ganz gemütlich eine Schildkröte vorbei und taucht dann ab. Schön!
Wir finden einen schönen Ankerplatz und hier bleiben wir fürs Erste. Leider jagt am Nachmittag ein Regenschauer den Nächsten, so dass nicht viel anzufangen ist.
Also machen wir es uns gemütlich, kochen uns etwas schönes und lassen den Tag langsam ausklingen.
Der Montag bringt eine weniger erfreuliche Entdeckung mit sich: der Generator funktioniert nicht mehr richtig, verliert Salzwasser. Was mag dass wohl wieder sein. Einsatz für Thomas!
Es ist ein kleines Teil von dessen Existenz man eigentlich gar nichts weiß, denn es hat ja immer schön funktioniert. Nach 6 Jahren darf so ein Ding auch mal den Geist aufgeben, doch die Kunst liegt darin dieses als Ersatzteil zu bekommen. Wir machen uns also auf den Weg, dieses kleine und ach so wichtige Teil zu organisieren. Wenn wir schon bei Ersatzteil sind:
Unser Faxgerät
Domingo, unser Segelmacher aus Las Palmas, hat uns das Teil per DHL nachgeschickt und wir hätten das Ersatzteil in Jolly Harbour in Empfang nehmen können, hätte nicht die Firma an deren Adresse es geschickt wurde, vor einer Woche dicht gemacht hätte. Wir telefonieren etliche Male mit DHL, ehe wir für Dienstag Zeit und Ort verabreden, wo das Paket zugestellt werden soll. Das ist doch was.
Mit dem Teil für den Generator haben wir ein Riesenglück und finden bei Seagull Service das Original-Ersatzteil. So gehen wir zurück an Bord um den Generator wieder zusammen zu bauen. Der Generator schnurrt wieder, die Arbeit getan machen wir uns, hungrig wie wir sind, mit dem Dingi auf den Weg in den Hafen zum Abendessen.

Dienstag Vormittag ist Waschtag. Waschen ist ja nicht problematisch aber das Trocknen wenn es alle naselang regnet. In Falmouth Harbout liegen ziemlich viele und auch ziemlich große Schiffe vor Anker. Die Crews von denen, die haben ganz andere Sorgen wenn es regnet, denn da sind dann anschießend alle Mann mobil zum polieren, abziehen und trocken wischen. Nicht zu beneiden.
Wir haben heute noch unseren Termin mit dem DHL-Mann. 1 ½ Stunden warten wir auf ihn, dann kommt er an, drückt uns einen Zettel in die Hand uns teilt uns mit wir müssten das Teil am Flughafen beim Zoll abholen. Na toll!
Also können wir uns jetzt darum kümmern, das wir für den morgigen Tag einen Mietwagen erhalten, denn dies mit dem Taxi zu erledigen kommt nicht in Frage.
So holen wir am Mittwoch als Erstes den Mietwagen ab und machen uns auf den Weg nach St. Johns zum Flughafen. Von dort werden wir wieder wo anders hingeschickt, wo die ganzen Zollformalitäten zu erledigen sind. Endlich am richtigen Platz geht dieses Drama in die nächste Runde: um etwas aus dem Zoll zu bekommen braucht man einen Agenten und die stehen da auch schon parat. Dafür dass er ein Formular ausfüllt sind dann mal 30 $EC zu bezahlen und dann fällt auch noch der "normale" Zoll an. Toll, und das für ein Ersatzteil für ein Gerät welches sich noch innerhalb der Gewährleistung befindet. Und da HP es im Dezember tatsächlich nicht geschafft hat uns dieses Teil rechtzeitig zu kommen zu lassen hat der Versand von Las Palmass auch noch etliche Euro gekostet.
So, und wenn wir uns deswegen schon einen Mietwagen nehmen müssen, dann schauen wir uns die Insel noch ein wenig an. Beim Abholen des Wagens haben wir uns beide gewundert, warum uns als Erstes das Ersatzrad gezeigt wurde. Jetzt, wie wir die Straßen sehen ist diese Frage beantwortet. Im Zickzack kurven wir um die Schlaglöcher herum. Dann findet mitten auf der Straße ein Cricketspiel statt oder es laufen ein paar Ziegen oder Schafe über die Straße. Hier geht es einfach noch gemütlich zu und die Menschen haben ( nehmen ) sich Zeit.

Wir fahren an die Ostküste der Insel zur Devils Brige. Hier hat die Brandung die Klippen so ausgespült, ja gar ausgehöhlt, das eine Art Brücke entstanden ist.
Von hier hat man einen sagenhaften Blick über die Nonsuch Bay hinüber zu Green Island, eine Insel, die mit die schönsten Strände der Insel haben soll.
Weiter geht es zur Harmony Hall. Ehe man diesen Ort kennen lernt, fragt man sich warum Harmony Hall. Wenn man dann dort ankommt, kennt man die Antwort darauf sofort: ein Ort voller Ruhe, Harmonie, Stil und Charme. Ein sehr geschmackvoll eingerichtetes Restaurant mit großer Terrasse und schön angelegtem Garten. In diesem Garten finden sich wieder Ecken in denen man ganz für sich sein kann, wie heute eine kleine Hochzeitsgesellschaft.
  

Hier im Garten sitzen und den Blick über die Nonsuch Bay und in die Ferne schweifen lassen; da kehrt wirklich Ruhe ein.
Doch es ist schon später Nachmittag und wir wollen noch einen Blick von Shirley Heights genießen. Shirley Heights liegt sozusagen oberhalb von English Harbour, ist der südlichste Punkt der Insel und bietet "den Ausblick" schlechthin und benannt nach einem General. Hier waren im 18. Jahrhundert die Britischen Truppen des guten Admiral Horatio Nelson stationiert. So stehen hier noch alte Kanonen rum und das powder magazine ( Munitionslager ) ist noch recht gut erhalten vor zu finden. Auf dem Weg dort hin sieht man noch viele Überreste alter Offiziersquartiere sowie einen Obelisk der zu Ehren der Offiziere aufgestellt wurde.

   Oben angekommen hat die Dämmerung schon eingesetzt und außer uns ist niemand mehr unterwegs. Das Licht reicht gerade noch, um eine paar tolle Aufnahmen von English und Falmouth Harbour bei Nacht zu machen. Bilder wie man sie von Postkarten kennt.

Um diesen Blick auch am Tage genießen zu können fahren wir am Donnerstag Morgen noch ein Mal hoch und sind von der Aussicht am Tage aufs Neue geradezu fasziniert.
Der Blick hinunter auf English Harbour und Nelson´s Dockyard, einfach genial!
Dieser Hafen ist ein historisch wertvoller und sehr interessanter Ort:
im 18. und 19. Jahrhundert der bedeutendste Marinestützpunkt der Antillen, Marinewerft und Flottenbasis benannt nach Admiral Lord Nelson und heute ein Teil eines Nationalparks.
Darüber hinaus ist er heute einer der schönsten uns sichersten Naturhäfen der gesamten Karibik und bietet somit idealen Schutz bei Starkwind oder gar bei Hurrikangefahr.
Erst von hier oben wird deutlich über welch große Fläche die Britischen Truppen sich verteilt hatten und warum hier keine Schiff ungesehen anlanden konnte. Mehr noch, die schmale Einfahrt in den Hafen ist von See her kommend nicht zu erkennen, so befand sich während der Napoleonischen Kriege zeitweise die gesamte Flotte geschützt und unentdeckt im Hafen während der Feind ahnungslos vorbei segelte.
  

Außer Nelson hat hier noch ein Name Geschichte geschrieben: die Nicholson´s.
Commander Vernond Nicholson erreicht mit seiner Frau Emmy und den 2 Söhnen im Jahre 1957 Antigua. Von England kommend wollten sie hier auf dem Weg nach Neuseeland einen Zwischenstop machen. Der "Zwischenstop" in English Harbour hat das Bild des Hafens ziemlich verändert, denn die Familie begann damit die alten Offiziersunterkünfte aus zu bauen, von denen seinerzeit nur noch die Mauern standen.
Heute bildet auch dieses Areal einen Teil des Nationalparks. In den historischen Mauern befindet sich heute ein Museum (das ehem. Wohnhaus Nelsons´s ), die Hafenbehörde, Bäcker, Segelmacher, Boutiquen, Shops und Restaurants so wie das Admiral´s Inn, ein im irisch-englisch gediegenem Stil eingerichtetes Hotel. Hier steht sogar ein Gebäude das aus Ziegelsteinen errichtet wurde, welche als Schiffsballast aus England herüber kamen, das Restaurant Copper and Lumber. Ein sehr geschmackvoll und rustikal renoviertes Haus, eingerichtet mit alten schweren Ledersesseln, großen Sofas und einer Galionsfigur über dem Eingang.

  

Zurück an Bord gibt es noch etwas zu sehen: DIE Endeavour läuft aus! In Begleitung von einer anderen Jacht verlässt die J-Klasse Yacht Falmouth Harbour. Ein schönes Schiff!
Leider gibt es auch noch etwas weniger schönes zu sehen. Die großen Schiffe die hier alle liegen geben zwar ein herrliches Motiv für Fotos ab, aber auch sehr viel Gestank und Dreck denn bei denen laufen ständig die Generatoren und der ganze Dreck schwimmt auf dem Wasser und somit sind unsere Schiffsrümpfe mittlerweile ziemlich ölverschmiert.

Nicht schön! Die Nachmittagsbeschäftigung ist also auch gesichert, sauber machen.

Freitag und wir verlassen Falmouth Harbour und wollen nach Green Island. Kaum sind wir aus der Bucht draußen fängt es doch direkt wieder an zu schütten und zu stürmen und der Himmel ist total bedeckt. So entscheiden wir uns nicht gegen den Wind an zu fahren und auch nicht auf zu kreuzen sondern fahren nur noch um die Ecke und ankern in der Freeman Bay, die Einfahrt zu English Harbour. Es scheint als hätten wir gerade noch den richtigen Zeitpunkt erwischt denn nach uns kommen noch etliche andere Segler und die Bucht füllt sich mehr und mehr. Da gibt es wieder das eine oder andere Ankermanöver zu sehen worüber man nur den Kopf schütteln kann. Eines was beachtlich ist gibt es allerdings auch zu sehen: ein großer Inselschoner läuft unter Segeln in die Bucht ein und will hier ankern.
Da sich das Wetter nicht mehr bessert und das Sonnenlicht wichtig ist für die Ansteuerung, beschließen wir hier zu bleiben. Spätestens morgen wären wir eh wieder hier her gekommen, denn am Sonntag erwarten wir schließlich lieben Besuch.
So bedeckt der Himmel am Tage war, so klar ist die Nacht. In der Ferne sind Lichter auszumachen. Das Fernglas angesetzt macht schnell klar, es ist die Vulkaninsel Montserrat.
Ein kleiner Schwenk nach links und ein gigantisches Bild ist zu sehen: rotglühend leuchtet der Vulkankegel in der Nacht. 1997 ist der Vulkan zuletzt ausgebrochen und hat große Teile der Insel zerstört die bis heute nicht wieder besiedelt sind.
Mit diesem beeindruckenden Erlebnis endet also der Tag.

Es ist Samstag der 12. Januar und wir verlegen uns ein wenig. Wir holen den Anker auf und fahren ein in Nelson´s Dockyard um dort fest zu machen. Hier festmachen heißt Ankern und mit Heckleinen festmachen. Da der Ankergrund hier recht dürftig und schlammig ist kann es leicht sein, das der Anker nicht hält. Was beim Anlegen immer besonders nett ist, ist wenn es ordentlich Wind auf die Backe gibt und so ist es auch heute. Doch das ist auch zu schaffen.
Wir haben bereits die Gangway draußen als eine ganze Salve von Fallböen durch die Bucht pfeifen und wir feststellen, das der Anker nicht hält. Jetzt muss es schnell gehen. Ich geh von Bord und mach die Leinen los und Thomas holt den Anker auf. Durch den starken Wind kann er nicht mehr so weit zurück, das ich wieder an Bord könnte. Also bin ich an Land und Thomas auf dem Schiff. Damit es nicht langweilig wird gibt es gerade jetzt einen kräftigen Regenschauer und ein anderes Schiff will auch anlegen.
Beim zweiten Versuch hält dann der Anker und alles ist in bester Ordnung.
Gut Ding will eben Weile haben!
Strom und Wasser angeschlossen machen wir SILVER BLUE sauber und das soll es für heute dann auch gewesen sein.
Ehe wir für diese Woche tschüss sagen hier noch der kulinarische Ausflug in unsere Bordküche:
Spaghetti Amatricana für 4 Personen

500 g Spaghetti
2 kleine Ds geschälte Tomaten
200 g geriebenen Parmesan
200 g leicht gerauchten Speck
2 Knoblauchzehen

Die Spaghetti aufsetzten und dann direkt mit der Zubereitung der Soße beginnen.
Speck in feine Würfel schneiden und in der Pfanne auslassen, Knoblauch schälen und durch die Knoblauchpresse drücken und kurz mit anlassen. Etwas Olivenöl zugeben, die Tomaten abgießen, Strunk und Kerne entfernen und mit der Gabel zerdrücken und zugeben und ebenfalls angehen lassen.
Wenn die Spaghetti gar sind, direkt abgießen, dann direkt in die Soße geben, den Parmesan in zufügen, umrühren und servieren.


Die Ankunft von unserem Besuch,
... was uns die neue Woche so gebracht
... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long

Diana + Thomas

Diese Woche gibt es ein paar Worte von Johann Wolfgang v. Goethe
Es ist nicht genug zu wissen,
man muss auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen,
man muss auch tun.