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KW 04 2003

20.01. - 26.01.2003

Die Woche beginnt ohne Landstrom, das kommt schon mal vor, das in Cartagena kurzfristig der Strom ausfällt. Hier scheint es sich aber um eine defekte Sicherung am Steg zu handeln. Soll sich das der Elektriker mal anschauen. Der kommt allerdings erst am Dienstag, macht aber nichts, der Einbau der neuen Batterien in Bonaire hat sich wirklich gelohnt, SILVER BLUE kommt ca. 5 Tage mit dem Batteriestrom aus, ohne die Batterien zu laden.
Als der Elektriker kommt, stellt sich heraus, das das Problem sich aber an Bord von SILVER BLUE befinden muss. Also zerlege ich Stück für Stück den Landstromanschluss. Als ich am Kontaktschalter (einem elektromagnetischem Schalter, der automatisch den Stromkreislauf schliesst) angelangt bin, mache ich doch ein wenig grosse Augen. Der ist völlig verschmort! Also baue ich den aus, erkundige mich wo es wohl einen neuen geben könnte, und mache mich dann auf den Weg in die Stadt. Da aber Mittagzeit ist und viele Geschäfte dann geschlossen haben, unterbreche ich meinen Weg bei einem Steakhaus, wo ich schon lange mal reingehen wollte. Der Stop hat sich gelohnt, hier gibt es für ca. 8 Euro ein riesenhaftes Steak, butterweich, mit Ofenkartoffeln ...... hmmmm, lecker !
Frisch gestärkt erreiche ich dann den Elektroladen. Auch hier bekommen sie grosse Augen, als sie meinen verschmorten Schalter sehen. Leider ist das Modell, das ich benötige nicht auf Lager, die Lieferzeit für einen neuen beträgt ca. 30 Tage und kostet ausserdem ca. 300 US-Dollar.

Deswegen muss man noch lange nicht aufgeben, in Kolumbien wird erst etwas weggeworfen, wenn es absolut zu nichts mehr zu gebrauchen ist. So findet man in der ganzen Stadt, Plätze an denen "Spezialisten" für Reperaturen jeder Art sind, alles genau gegliedert nach Fachgebieten. So z.B. eine Strassenecke an der 30 Uhrmacher einen kleinen Reperaturstand haben oder einen Innenhof in dem ca. 20 Leute ihren Dienst für die Reperatur von Haushaltselektroartikeln anbieten. Es gibt noch vieles mehr in dieser Art, u.a. sogar einen schattigen Platz unter einem grossen Baum, da sitzen rundherum Leute mit einer Schreibmaschine und man kann sich einen Brief oder Antrag tippen lassen oder die ausdiente Autofelge, die jetzt als Grill für auf der Strasse zubereitete Köstlichkkeiten fungiert (siehe Bild).   

Also fängt in dem Elektroladen der Verkäufer an, meinen verschmorten Schalter völlig zu zerlegen. Die vielen Kontakte sind zwar verschmutzt (wahrscheinlich war sogar ein schlechter Kontakt im Schalter Ursache für den Kurzschluss darin), aber durchaus noch zu gebrauchen. Also machen wir uns gemeinsam daran im Laden die Kontakte mit Schleifpapier zu reinigen. Immer mal wieder kommt jemand vorbei, ein wenig zuzuschauen oder auch etwas zu verkaufen. Da wandert dann mal Kuchen in anderer Richtung über die Ladentheke oder eine ältere Frau versucht Lotterielose zu verkaufen. Bei mir ist sie so hartnäckig, das ich zu ihr "estoy mondao" sage, was im ganzen Laden herzhaftes Gelächter auslöst. Dieser nur hier gebräuchliche Ausdruck bedeutet soviel, wie kein Geld zu haben und löst bei den meisten fliegenden Händlern dann doch ein Lächeln aus.
Als der Schalter gereinigt ist, wird von anderem Modell die Abdeckung abgebaut, ein wenig modefiziert und das ganze wieder zusammengebaut.
Der "neue" Schalter funktioniert prächtig. Das ganze hat ca. 1 1/2 Stunden gedauert und mich dann ganze 40.000 Pesos (ca. 15 Euro) gekostet und ausserdem viel Spass gemacht. Bis zum Abend habe ich ihn auch wieder eingebaut und gönne mir dann an der Bar ein kühles Aguilla Light, ein sehr schmackhaftes einheimisches Bier.

   Zum Wochenende wird SILVER BLUE wieder komplett gereinigt. Eine meistens recht steife Brise in Cartagena macht die durchschnittliche Lufttemperatur von 30 Grad Celsius zwar recht angenehm, trägt aber auch jede Menge Dreck aufs und ins Schiff. Die frische Politur des Schiffes macht aber das abspülen des Drecks recht einfach und innen ist auch schnell durchgewischt.
Auf dem strahlendem Schiff gibt es dann auch gleich am Freitagabend eine fröhliche Feier, die dann in einem spanischen Restaurant in Boca Grande, dem Touristenzentrum von Cartagena, fortgesetzt wird.
Am diesem Samstag gehen viele Einheimische auf die höchste Erhebung Cartagenas, dem Hügel "Sero de la Popa", auf dem die gleichnamige Kirche steht.
Der Weg darauf ist gesäumt mit Getränkeverkäufern, kleinen Garküchen und fliegenden Händler. Sehr viel wird hier Zuckerrohr angeboten, aus dem entweder mit hohem Druck ein Saft gepresst wird oder es wird stückchenweise zum daran knabbern verkauft (siehe Bild).
Von diesem Hügel aus hat man auch eine herrliche Aussicht über die Bay von Cartagena. Leider ist es etwas dunstig, so verschiebe ich die Fotos davon auf kommenden Samstag, an dem der Hügel Ziel einer grossen Prozession, unter anderem mit vielen Pferden, ist.
  

Also mehr von der "Fiesta de Candelavia" und von Cartagena in 1 Woche, wenn ihr mögt,
bis dahin.................alles Gute !

TOM