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KW 08 2002

17.02.2002 - 23.02.2002

Es ist Sonntag der 17. Februar und wir befinden uns auf der schönen Insel Tobago in der Man of war Bay, eine wunderschöne Bucht vor dem kleinen Ort Charlotteville.
Wenn auch Sonntag ist, soll es sich lohnen, nicht all zu spät auf zu stehen, denn in dieser Bucht sollen morgens Delphine Bucht zu sehen sein. Das haben Gerhard und Felix gestern bei ihrem kleinen Besuch bei ihren Landsleuten erfahren. Zur Erinnerung, das sind Alexandra und Karl aus Österreich, die hier mit ihrem Katamaran Gryllos III liegen.
So liege ich ab 8 Uhr auf der Lauer doch nichts regt sich. Da sich innerhalb der nächsten zwei Stunden immer noch nichts tut, wird es Zeit für ein nettes Frühstück.
Kaum hört man damit auf, auf etwas zu warten oder zu hoffen, schon tritt es ein: wie im echten Leben! Da sind sie, 3 Stück. Ein unsagbar schöner Anblick, wie sie in dem ruhigen Wasser langsam auf- und abtauchen. Ganz gemütlich schwimmen sie tatsächlich ganz in die Bucht rein.
Diese Bucht ist eh der Hammer! Heute morgen, kurz nach Sonnenaufgang, ging in den Wäldern am Ufer ein Pfeifkonzert der Extraklasse los. Ein Gezwitscher und Gekreische wie nie zuvor gehört. Hier muss eine Unmenge von Vögeln leben und nisten. Tobago ist ebenso wie Trinidad bekannt für Birdwatching, d.h. man kann Touren mitmachen wo man zu den Nistplätzen der Vögel gebracht wird und wie es scheint, haben wir einen solchen Platz hier sozusagen direkt vor der Haustür.
Doch nicht nur im Wald ist schwer was los, in der Luft und im Wasser genauso. Etliche graubraune Meerespelikane fliegen hier rum und scheinen den ganzen Tag nichts anderes zu tun als rumfliegen und Fische fangen und anschließend sitzen sie auf den Felsen und erholen sich davon. Die zahllosen Tölpel die es hier gibt tun im Grunde genommen nichts anderes; gleitend fliegen sie übers Wasser und dann, zack, haben sie schon wieder einen Fisch im Schnabel und fliegen damit weg. Hier gibt es so viele Fische, das man mit bloßem Auge die Fischschwärme sehen kann, doch nicht nur das, sogar hören kann man sie.
Ja, das hört sich alles ziemlich märchenhaft an und genau das ist es auch: märchenhaft schön aber wahr! Genau das Richtige also um sich einen gemütlichen Tag zu machen. Am Nachmittag gehen wir alle ein wenig Schnorcheln und Gerhard und Felix statten den Nachbarn noch einen Besuch ab.
Heute gehen wir zum Abendessen mal wieder aus, und das zeitig, denn im Restaurant
Sharon & Phebe´s gibt es Sonntags wohl immer Büffet, und was es da gibt sieht nicht nur gut aus sondern schmeckt auch so. Hühnchen, Reis, verschiedene Salate, Bohnen, würzige Saucen und dazu ein kühles Bier genau das Richtige. Heute müssen wir allerdings ein Bier extra trinken, denn heute Abend haben Thomas und ich beschlossen unseren bisherigen Zeitplan über Bord zu werfen!!!
Das heißt wir werden noch ein paar Monate hier in der Karibik bleiben, für ein paar Wochen nach Hause fliegen, wenn wir zurück kommen gibt es noch ein paar Dinge am Schiff zu erledigen und dann soll es gemütlich weiter gehen in Richtung Venezuela, ABC-Inseln, dann zu den St. Blas Inseln und von dort gehen wir dann erst im nächsten Jahr durch den Panamakanal in den Pazifik und in die Südsee. Darauf müssen wir doch anstoßen, oder was meint ihr!?
So sitzen wir zusammen mit ein paar anderen Seglern auf der Terrasse unterhalten uns und lassen es uns gut gehen. Zurück an Bord sitzen wir auch noch eine Weile gemütlich beisammen eh sich langsam der Eine oder Andere in die Koje verzieht.
Der Montag beginnt etwas später und teilweise auch etwas verkatert. So gibt es das Frühstück, zu dem wir Alexandra und Karl eingeladen haben eben auch etwas später und wird eher zu einem kleinen Brunch. Bis zum frühen Nachmittag sitzen wir gesellig beisammen und beschließen kurzerhand noch einen Tag länger hier zu bleiben. Der gestern gefasste Beschluss scheint schon Wirkung zu zeigen, und so machen wir uns heute einfach gemütlich.
Und weil es bei Sharon & Phebe´s so gutes Essen gibt gehen wir da heute gleich wieder hin, doch nicht all zu lange, denn heute geht es nicht so spät zu Bett, denn morgen geht es dann früh los.
So ist am Dienstag vor 8 Uhr gefrühstückt, die Mannschaft klar und der Anker oben und wir verlassen Charlotteville. Wir fahren nicht ganz so weit, nur starke 20sm bis zur Milford Bay, wo wir vergangene Woche Tobago angelaufen haben. Leider lässt der Wind etwas zu wünschen übrig; nicht viel und für uns auch keine gute Richtung. Wir setzen zwar den Genaker, was für eine Weile gut geht, doch dann müssen wir ihn wieder einholen, da der Wind zeitweilig stark dreht und dann aber auch völlig einschläft. So fahren wir das letzte Stück unter Motor. Kurz vor unserem Ziel; FISCH! Na wer sagt es denn, es geht doch! So wie die Leine ausläuft könnte man auf etwas größeres schließen. Doch nicht zu viel der Vorfreude, denn die tut selten gut und so leider auch heute. Der Fisch ist schon relativ nah am Heck da zieht der Bursche noch einmal kräftig an und ist ab. Mist! Dann gibt es eben keinen Fisch. Eine halbe Stunde später ankern wir in der Milford Bay.
Es gibt zwar keinen Fisch, doch dafür gibt es von Gerhard und Felix eine geniale Idee. Die Beiden fliegen morgen, Mittwoch von Trinidad wieder zurück und unser Plan ist ( war ), heute eine kleine Nachtfahrt nach Trinidad zu machen, dann kämen wir früh am Mittwoch an und alles würde passen.
Um uns allen diese Nachtfahrt zu "ersparen", besonders um Thomas und mir den Rückweg nach Tobago zu ersparen, würden die Beiden von Tobago nach Trinidad fliegen und vor dort dann wie geplant zurück nach Hause. Genial, zu mal wir dann noch den heutigen Tag und morgen haben um hier noch mal an den Strand von Pigeon Point zu gehen.
Nach einem kleinen Mittagssnack machen sich dann Thomas und Gerhard auf den Weg in die Stadt. Thomas um mal wieder Papierkram zu erledigen und Gerhard kümmert sich um die Flüge nach Trinidad während Felix mit dem Dingi zum Schnorcheln zum Buccoo Reef fährt, denn er konnte da vergangene Woche leider nicht hin.
Perfektes Timeing, Felix kommt gerade zurück als Thomas und Gerhard über Funk durchgeben, das sie wieder am Strand sind und abgeholt werden möchten, also fährt Felix direkt durch. Die Ankunft der 3 an Bord; ein nettes Bild. Pitschnass sind sie alle, denn so wie mich dort am Strand vergangene Woche eine Welle erwischt hat, so ist es ihnen heute auch ergangen. Zum Piepen.

Mit dem kleinen Landgang haben Thomas und ich Zuwachs bekommen, denn Gerhard hat uns einen Stoff-Papagei mit symbolischer Bedeutung mitgebracht. Merci!
Und da so ein Vogel ja auch einen Namen braucht ist schnell klar, dass er Admiral getauft wird.
Da hängt und sitzt er nun bei uns im Cockpit.
Mit einem Sundowner und einem gemütlichen Abendessen anschließend geht der Tag und unsere gemeinsame Zeit langsam zu Ende.
Es ist Mittwoch, und da wir hier ja noch ein wenig Zeit haben, machen wir einen Abstecher zum Baccardi - Strand, zu Pigeon Point. Mit dem Dingi ist man dorthin schon ein paar Minuten unterwegs und sich einzubilden dort trocken anzukommen wäre illusorisch.
   Admiral

Doch zunächst fahren wir an Pigeon Point vorbei, denn noch weiter hinten ist ein ganz toller Platz versteckt. Eine Lagune umrandet von Mangroven und eine Landzunge die den Namen "No Man´s Land" trägt und einen schönen Sandstrand hat. Die Lagune, Bon Accord Lagoon, darf nur im Falle eines Hurrikans mit dem Schiff angelaufen werden, also ist es hier total ruhig und gemütlich. Auf No Man´s Land werden für Touristen manchmal Tagespicknicks veranstaltet, so sind auch heute ein paar Leute hier.
Dann hab ich da noch 3 "Wilde" entdeckt die mir irgendwie bekannt vorkamen. :)
Das Dingi wieder ins Wasser gezerrt fahren wir jetzt aber zu Pigeon Point.

   Hier ist es schon wieder weniger ruhig, denn auch für Surfer ist hier ein Paradies. So heißt es zunächst auf die Surfer acht geben und je näher wir wieder an den Strand kommen empfiehlt es sich auch auf die Schnorchler zu achten. Im Buccoo Reef gibt es viel zu sehen. Ca. 10 km² groß ist das seit 1982 unter Naturschutz stehende Riff. Teilweise ist das Wasser weniger als ein Meter tief und beim Schnorcheln oder mit dem Glasboden-Boot kann dieser tolle Unterwassergarten betrachtet werden und man kann all das in Natura sehen, was sonst nur in den großen Exotarien der Welt zu sehen ist. Doch wir bleiben heute oben, wir gehen an den Strand und genießen von dort den Blick auf den langen, weißen Sandstrand, die Palmen und das glasklare Wasser.
Leider können wir das nicht den ganzen Tag tun, denn heute heißt es ja auf Wiedersehen sagen, da Felix und Gerhard heute wieder nach Hause fliegen. Und damit das anstrengende Kofferpacken auch klappt gibt es am Strand noch einen kleinen Snack ehe es zurück an Bord geht. Während die Beiden ihre sieben Sachen packen macht Thomas sich auf den Weg um einen Mietwagen zu organisieren. Das Gepäck und alle an Land gebracht fahren wir dann zum Flughafen. Auch hier, Tobago ist einfach klasse. Per Handschlag werden Felix und Gerhard am Schalter verabschiedet und aufgefordert Tobago doch wiedereinmal zu besuchen.
Wer weiß, nichts ist unmöglich! Wir trinken noch eine Kleinigkeit zusammen dann ist es an der Zeit Abschied zu nehmen, kommt gut heim, bis bald!
  

Thomas und ich fahren noch ein wenig auf der Insel herum, machen einen kleinen Stop im Supermarkt dann treten auch wir den Heimweg an.
Es ist Donnerstag und wenn wir schon ein Auto haben, dann schauen wir uns auch die Insel ein wenig an. Wir fahren nach Scarborough, die Hauptstadt Tobagos und machen dort am höchsten Punkt der Stadt einen kurzen Stop, bei Fort King George. Das ist eine von den Briten 1777-1779 erbaute und nach König George II. benannte Festung.
Die Hänge der Festung sind noch bestückt mit alten Kanonen und bietet den besten Blick auf Scarborough und die umliegende Küste.
Sehr viele der Garnisonsgebäude sind noch gut erhalten und Teile davon werden heute noch als Militärhospital genutzt. Direkt daneben befindet sich auch das zivile Hospital, doch so wie das von Außen aussieht, mag man sich nicht vorstellen wie es wohl Innen sein mag. Ist eh immer besser wenn man solche Einrichtungen nicht in Anspruch nehmen muss.
Unsere Fahrt auf der Windward Road, entlang der Küste in Richtung Norden, geht weiter. Viele Buchten und Strände sind zu sehen, doch hier geht es etwas rauer zu als an der Westküste, denn hier ist schließlich die Atlantikseite. Durch viele kleine Ortschaften fahren wir hoch bis zur King´s Bay wo wir direkt am Strand eine Kleinigkeit essen und trinken. Wir unterhalten uns ein wenig mit einem Einheimischen, und ist es denn die Möglichkeit, er kommt aus Charlotteville und in Deutschland, um genau zu sein in München, war er auch schon. Wir machen uns wieder auf den Weg und fahren bis Speyside, ein Ort mit einem genialen Ausblick nach Little Tobago, auch die Vogelinsel genannt. Hier sollen mit die schönsten Tauchplätze der Karibik sein, was wir uns auch noch genauer ansehen werden, doch sicher nicht heute. Es gibt nicht all zu viele Straßen auf Tobago und so ist hier die Fahrt entlang der Küste auch zu Ende und wie fahren ein Stück gen Westen und kommen direkt nach Charlotteville, wo wir mit dem Schiff sicher wieder hingehen werden. Da es keine andere Straße gibt, müssen wir diese Straße zunächst ein ganzes Stück fahren und bei der Stadt Roxborough fahren wir dann wieder ab, denn hier geht es zum Argyle Wasserfall.

   Um dort hinzukommen ist erst ein Fußmarsch durch den Regenwald angesagt. Vorbei an Bananestauden, Kakaobäumen und riesenhaften Bambussträucher und andere grüne Riesen geht es über schmale Pfade und Stock und Stein direkt zum Wasserfall. Außer uns sind noch ein paar andere Touristen hier also machen wir uns direkt auf den Weg nach Oben. Da geht es ganz schön stramm hoch, doch wir sind ja bestens vorbereitet und haben feste Schuhe an. Bis zur zweiten Kaskade schaffen wir es, doch dann sehen wir keinen Weg mehr. Es gibt garantiert einen, denn der Wasserfall ergießt sich über drei Kaskaden. Es reicht auch bei der zweiten Kaskade zu sein, denn hier ist außer uns niemand. Schwimmen gehen wir dieses Mal nicht, doch die Füße ins klare kühle Wasser halten ist auch ganz schön.

Erfrischt brechen wir auf und machen uns auf den Rückweg. Wie könnte es anders sein, wir sind ja im Regenwald, es fängt an zu regnen! Für ein paar Minuten suchen wir unter den großen Bäumen und Blättern etwas Schutz vor dem Regen, doch das ist keine wirklich gute Idee, da der Boden durch den Regen ziemlich rutschig wird und das Ganze dann noch bergab; also weiter geht's. Unten wieder gut angekommen marschieren wir zurück zum Auto und fahren wieder weiter. Wir fahren weiter quer über die Insel bis an die Westküste. Dort kommen wir bei der Bloody Bay an. Die Legende sagt das hier früher solch schwere Kämpfe und Schlachten stattgefunden haben sollen, dass das Wasser der Bucht blutgefärbt war. Hört sich etwas unglaubwürdig an, doch erzählt wird nun mal viel, früher genauso wie heute.
So fahren wir entlang der Westküste und haben noch eine ganze Zeit lang einen guten Blick auf die schönen Strände auf dieser Seite der Insel. Hier sind die Buchten etwas tiefer und die Berge etwas höher und so zieht sich unsere Fahrt ziemlich hin und es wird auch schon langsam dunkel. Bis wir wieder an unserem Ausgangspunkt ankommen ist es schon fast 20 Uhr. Platt wie wir sind holen wir uns auf die Schnelle noch etwas zu essen und fahren mit dem Dingi zurück zum Schiff und das wars dann auch.
Freitag, und heute Nachmittag muss der Wagen abgegeben werden, also fahren wir am Vormittag noch ein wenig rum. Wir fahren noch einmal nach Scarborough, kaufen auf dem Markt ein wenig Obst und Gemüse und machen noch ein paar Besorgungen dann geht es auch schon wieder zurück. Die Stadt selbst werden wir uns ein Andermal ansehen, denn hierher müssen wir wieder, wenn wir Tobago verlassen.
Den Mietwagen abgegeben schaffen wir unsere Einkäufe an Bord und viel mehr passiert heute nicht mehr.

Es ist Samstag der 23.02. und heute werden wir Milford Bay verlassen und uns wieder auf den Weg nach Charlotteville machen. Doch das hat Zeit, denn die haben wir haben ja jetzt, und es ist ja auch nicht weit. Kurz nach 11 Uhr holen wir den Anker auf und sind unterwegs. Und da wir ja schon sooo lange keinen Fisch mehr gefangen haben kommt auch direkt die Angel raus. Es ist fast als hätte man uns bereits erwartet, bzw. unseren Superduperköder denn bereits um 12 Uhr liegt ein schöner, großer Wahoo ( King Fish ) an Bord. Petri heil!
Ein schöner Fang. Jetzt können wir dann auch die Segel setzen, denn der Fisch hat uns davon doch leicht abgehalten.
  

Nur ganz hoch am Wind können wir fahren und wir machen auch etliche Schläge um in unsere gewünschte Richtung zu kommen. Segeln heißt ja nicht Segel setzen und nur geradeaus bis zum Ziel. Wobei wir können das heute fast machen, doch leider nicht mit gesetzten Segeln, denn wir machen eine Entdeckung die weniger schön ist.
Die Probleme die wir in Trinidad mit dem Rigg hatten und glaubten sie behoben zu haben, sind wieder da. Und ehe da noch mehr kaputt geht oder uns das Ding auf Deck und Kopf knallt holen wir die Segel ein und fahren mit den Maschinen weiter. Das dauert allerdings und ist ziemlich unangenehm da Seegang ist und wir direkt gegen an fahren müssen.
So kommen wir kurz nach 17 Uhr in der Man of War Bay in Charlotteville an und werden dort auch schon freudig begrüßt.
Hier werden wir sicherlich ein paar Tage bleiben und was uns diese und ...

... was uns die neue Woche so gebracht
... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!

so long

Diana + Thomas


Ein schlauer Spruch soll auch in dieser Woche nicht fehlen, heute von
Carl Jakob Burckhardt
Wie oft trennt uns das Wort, anstatt uns zu verbinden.

Anmerkung der Redaktion :)
Ich finde ergänzend folgende Worte von Georg Christoph Lichtenstein ganz passend:
Nicht die Lügen, sondern die sehr feinen falschen Bemerkungen sind es,
die die Läuterung der Wahrheit aufhalten.