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KW 09 2002
24.02.2002 - 02.03.2002
Es ist Sonntag der 24. Februar und wir sind immer noch auf der Robinson Crusoe
Insel Tobago. Dieser paradiesische Ort diente nämlich im Jahre 1719 Daniel
Defoe als Kulisse und Schauplatz für die Erlebnisse und Abenteuer seines
Helden Robinson Crusoe.
Kein Wunder, bei den vielen schönen Stränden hier. Einer Statistik
der Insel-Touristiker zufolge kommt auf jeden Besucher 1 km Strand.
Da kann man sich doch wirklich fühlen wie Robinson?!
Um einen kleinen Eindruck von diesem lauschigen Ort zu bekommen, zwei Bilder
mit Blick auf die Man of War Bay.
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So erfreuen auch wir uns an dieser Umgebung und lassen einfach nur die Seele
baumeln.
Dieses, hier und da was machen, das machen wir dann, wenn wir Lust haben.
Es gibt ja auch auf einem Schiff immer etwas zu tun, zu reparieren oder einfach
in Stand zu halten. Doch jetzt, wo wir Zeit haben erledigt sich das mit einem
ganz anderen Gefühl.
Also kann man alles etwas gemütlicher angehen und so ist heute nichts
besonderes angesagt.
Doch, heute Abend tritt hier in Charlotteville eine auf Tobago und Trinidad
bekannte Gruppe auf, die 3 Canals. In der Zeitung war zu lesen das diese Gruppe
die beste Soca-Band sein soll. Die treten heute in der Bar Banana Boat auf
und da wollen wir auch hin.
Um 20 Uhr soll es los gehen. Es scheint als wäre das ganze Städtchen
auf den Beinen und auch aus den benachbarten Ortschaften sind viele Leute
hier. Als wir dort ankommen dröhnen aus den Boxen schon heiße Rhythmen
und kühles Bier, Carib, fließt.
Eine Stunde später geht es dann los und drei junge Burschen heizen richtig
ein.
Kurz aber heftig. Die singen 4 - 5 Lieder und das live, dann sind sie auch
schon wieder weg.
Auch hier ging das total locker zu, keine Absperrungen oder etwas in der Art,
im Gegenteil; die tanzende Meute hat vielleicht grad mal einen halben Meter
Abstand zu der Band.
Klammheimlich verschwindet die Gruppe wieder und es gibt wieder Musik aus
der Konserve.
Wir bleiben noch ein wenig, treffen noch ein paar nette andere Segler, dann
machen auch wir uns langsam aus dem Staub. Die Schuhe ausgezogen gehen wir
am Strand entlang bis zu dem kleinen Anleger, wo unser Dingi ist, womit wir
wieder zurück fahren.
Der Montag bringt einen kleinen experimentellen Arbeitseinsatz mit sich.
Wie wir euch bereits letzte Woche erzählt haben, ist dieses Problem mit
der Rollfock wieder aufgetreten. Heute wollen sich Thomas und Karl das mal
genauer ansehen. Dazu spannen sie etliche Leinen, dicke und dünne und
in die unterschiedlichsten Richtungen um herauszufinden, wo diese Lose herkommt.
Nach längerem hin und her sind sich die Männer einig das wir wohl
ein Problem mit der Struktur des Schiffes haben, was alles anderes als erfreulich
ist. Jetzt heißt es Informationen über die Konstruktion und Pläne
vom Schiff besorgen um einen Anhaltspunkt zu bekommen wo mit der Fehlersuche
anzufangen ist.
Eines steht damit allerdings fest: segeln können wir so nicht mehr!
Das bedeutet für uns, das wir uns auf die Suche nach einer geeigneten
Werft machen müssen, die diesen Schaden reparieren kann, was wohl auch
ziemlich aufwendig wird. Das reicht für heute. So essen wir bei uns mit
Alexandra und Karl gemütlich zu Abend, wobei auch noch die eine oder
andere Idee zu diesem Problem entsteht. Wird schon werden.
Am Dienstag heißt es recherchieren, wo wir Informationen zur Konstruktion
bekommen. Also machen wir uns am Nachmittag auf den Weg ins Internet-Cafe
um dort nach Email-Adressen der Konstrukteure zu suchen, wobei wir wenig erfolgreich
sind, doch von einem anderen Segler bekommen wir die Adresse und wir fragen
dort auch direkt an.
Abends ergibt sich ganz spontan auf der Gryllos ein kleines Zusammentreffen.
Thomas und ich sind kurz auf einen Sprung rüber, dann sind noch 4 andere
Segler, die heute unterwegs waren dazu gestoßen und diese haben zwei
selbstgefangene Fische mitgebracht.
Alexandra hat den Fisch im Ofen schnell gekonnt und schmackhaft zubereitet
und so gab es auch noch was zu essen. Später sind dann noch Ute und Erich
dazu gestoßen, die sich mit ihrer Tochter Julia und auf ihrer gleichnamigen
Ketsch ebenfalls auf einer Weltumsegelung befinden. Bis spät in die Nacht
sitzen wir so beisammen ehe alle in ihre Dingis verschwinden und sich auf
den Heimweg begeben.
Wenn´s mal wieder länger dauert, dann darf man am nächsten
Tag auch etwas länger schlafen, oder?! Na ja, besser gesagt länger
liegen bleiben, denn jeder Tag wird hier ja mit einem sagenhaften Pfeifkonzert
aus dem Regenwald begrüßt.
Heute wollen Thomas und ich uns das mal aus der Nähe ansehen. Also machen
wir uns am Nachmittag mit langen Hosen und Anti - Moskito - Spray bewaffnet
auf den Weg an den Strand und von dort direkt in den Wald. Gerhard und Felix
haben hier schon Papageie gesehen, mal sehen ob wir dieses Glück auch
haben. Wir machen hier allerdings keine geführte Tour sondern gehen einfach
auf eigene Faust los.
Tatsächlich, mit der Dämmerung kommen sie alle wieder zurück.
Wir haben keine Ahnung wie die Vogelarten alle heißen. In Büchern
finden wir später den einen oder anderen Vogel wieder beschrieben, doch
ganz sicher sind wir uns nicht. Doch was auch wir gesehen haben, diese außerordentlich
schönen grüne Papageie. Zwar nicht aus der Nähe, doch wenn
diese kreischender Weise zu viert oder fünft über einem fliegen
das ist schon nicht ohne.
Mit dem Fernglas in die Baumkronen geschaut sehen wir noch einige andere Vögel,
doch ehe uns die Moskitos auffressen oder wir im Dunkeln den Weg zurück
nicht mehr finden, machen wir uns langsam auf den Rück weg. Was wir hier
auch noch entdeckt haben sind diese Steinpflanzen, heißen sie nicht
Tilandsien oder so ähnlich? Die gibt es beim Gärtner zu kaufen,
meist auf einen Stein geklebt. Die wachsen hier als Schmarotzerpflanzen und
dass in Unmengen und allen Größen, liegen einfach so rum.
Mit der Dämmerung kommen auch immer mehr Fledermäuse und bei der
einen oder anderen könnte man den Eindruck haben, die hat ihr Ultraschallteil
nicht ganz unter Kontrolle, denn die Viecher kommen ganz schön nah an
einen ran. Da ist es angebracht in Deckung zu gehen.
Den Wald hinter uns gelassen und wieder am Strand angekommen werden wir von
Einheimischen zum BBQ eingeladen, doch für uns ist es Zeit zurück
an Bord zu gehen, denn langsam muss das Essen auf den Herd bzw. in den Ofen.
Der Wahoo, den wir vergangene Woche gefangen haben, der war ja doch etwas
größer, also haben wir noch reichlich Fisch im Tiefkühler
und da haben wir kurzerhand Alexandra und Karl gefragt ob sie nicht Appetit
auf Fisch haben. So haben wir gemeinsam einen gemütlichen Abend und das
bei Vollmond. Ist das schön!
Donnerstag und heute machen wir einen kleinen Brotbacktag. Es ist mal wieder
an der Zeit ein schönes selbstgebackenes Vollkornbrot zu backen, denn
hier gibt es fast nur Weißbrot zu kaufen, oder wie wir zu sagen pflegen
Knatschbrot. Das ist alles andere als gesund und teilweise schmeckt es wie
eine alte Pappschachtel. Da wir sowohl von Christina und Bernd als auch von
Gerhard und Felix wieder mit feinen Backzutaten versorgt wurden und wir noch
gutes slowenisches Mehl haben, haben wir beste Zutaten für ein gutes
Brot. Und wenn der Ofen schön glüht dann machen wir doch gleich
noch ein schönes Rosinenbrot.
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Während dessen plagt Thomas sich mit dem Laptop
und unserer Navigationssoftware, da diese nicht richtig läuft.
Da ist ein wenig angeln am Abend genau das Richtige um ein wenig zu entspannen. Thomas wollte eh mal in Ruhe und ausgiebig die neue kleine Angel testen. Doch ausgiebig funktioniert gar nicht so richtig bzw. ist nicht notwendig, denn kaum hängt das Ding im Wasser hat auch schon einer angebissen. Doch der Erste war etwas klein, also wird der vom Haken befreit und wieder zurück ins Wasser geworfen. Wenn das so ist, dann wird gleich mal ein größerer Haken dran gemacht und weiter geht es. 3 schöne Rotbarben fängt Thomas, dann wird es Zeit für heute mit dem Angeln aufzuhören, denn das Abendessen ist fertig. |
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Am Freitag Nachmittag machen Thomas und ich einen schönen Spaziergang
am Strand, ehe wir ein wenig einkaufen gehen, denn Freitags ist in Charlotteville
Markttag, und der Markt wird sozusagen ins Dorf gebracht. Sicherlich gibt
es hier überall kleine Obst und Gemüsestände an den Straßen,
wo man eigentlich täglich einkaufen kann, doch Freitags kommt ein Händler
mit dem Auto und dort soll es wohl mehr Auswahl geben, frischere Ware geben
und billiger soll´s auch noch sein.
Ein Auto, das von vielen Yachties aber auch von den Einheimischen erwartet
wird, doch dann soll da noch einer kommen. Der Metzger. Doch der kommt erst
gegen Abend, denn dann ist es nicht mehr gar so heiß, was sehr von Vorteil
ist, denn der kommt nicht mit einem Kühlwagen oder etwas in der Art,
oh nein. Der kommt mit einem normalen Pick up und dort hat er auf der Ladefläche
sein Fleisch. Dort stehen Plastikkisten, wie es diese Klappboxen gibt, in
denen liegt das Fleisch, einfach mit Plastiksäcken abgedeckt.
Eine Box mit Schweinefleisch und eine mit Rindfleisch. Da stehen wir nun alle
und warten bis wir dran kommen und das kann dauern. Zuerst kommen die Einheimischen
und dann wir Bleichgesichter ;-) Wenn man dann dran ist, dann darf man grad
noch sagen ob man Rind oder Schwein haben möchte und am Besten noch ganz
schnell, was man daraus machen möchte, in der Hoffnung das man ein anständiges
Stück Fleisch bekommt. Denn mit aussuchen und sagen dies oder jenes möchte
ich haben ist hier nichts drin. Die Menge legt er auch so ziemlich selbst
fest und ein "ein kleines bisschen mehr" akzeptiert er schweigend
gerade so. Die Tatsache das er das Fleisch auf einem einfachen Holzklotz,
ein ca. 30cm hohes Stück aus einem Baumstamm, mit seiner Machete zerkleinert
lässt alles vergessen, was es in deutschen Landen an Hygienevorschriften
und ähnlichem gibt. Tja, hier geht es eben anders zu, und frisches Fleisch
ist hier sonst nicht zu bekommen.
In einer kleinen Bar trinken wir noch was kühles und dann geht es wieder
zurück an Bord ehe es wieder dunkel wird, denn Thomas will heute die
Angel nochmal ein wenig raushängen.
So fahren wir zurück an Bord. Ich versorge die Einkäufe und mach
mich langsam am Abendessen zu schaffen und Thomas hat auch heute wieder allen
Grund zur Freude; Petri heil, ein junger Barracuda hat angebissen. Wenn das
so weitergeht gibt es eine schöne Fischplatte. Doch da wir etwas spät
zurückgekommen sind ist es schon wieder dunkel und es ist besser mit
dem Fischen aufzuhören.
Samstag Morgen und heute fängt der Tag früh an da uns dicke Regentropfen
direkt ins Gesicht tropfen. Mit einem kräftigen Regenschauer beginnt
der letzte Tag der Woche. Doch die Sonne scheint schon, und was gibt es dann,
genau, einen schönen Regenbogen!
Für solch einen Anblick lohnt sich doch frühes Aufstehen.
Ein genauer Blick nach Draußen beschert uns heute allerdings eine deutlich
andere Aussicht als die Tage zuvor. Wie es scheint hat sich unser Anker durch
das häufige Drehen etwas gelöst. Also holen wir den Anker auf und
ankern erneut, doch nicht an dem selben Platz sondern näher an Land.
Das hat den Vorteil das wir direkt vom Schiff aus zum Tauchen gehen können,
was wir heute eh machen wollten. Also ankern wir in der Ecke und sind somit
noch näher am Regenwald erleben diese Pfeifkonzerte aus nächster
Nähe und können von Bord die Vögel in den Bäumen sehen.
Wir machen einen schönen Tauchgang. Direkt beim abtauchen befinden wir
uns inmitten eines großen Schwarms unzählbar kleiner Fische.
Eine dreiviertel Stunde sind wir unten und können uns gar nicht satt
sehen an den vielen bunten Fischen und Korallen. Ziemlich viele Papageifische
gibt es hier und zu unserer Überraschung entdecken wir hier auch einen
schönen Schwarm Calamaries. Der schönste Fisch den wir heute gesehen
haben war ein ganz toller und großer Kaiserfisch. Es ist einfach immer
wieder aufs Neue faszinierend was es da unten doch alles zu sehen gibt. Zu
Beginn unseres Tauchgangs haben wir geschaut, wie unser Anker liegt und da
stand schnell fest, wir werden nachher wieder umankern, denn der hängt
nur in einem großen Stein, was bedeutet dass wenn wir uns drehen, der
Anker höchstwahrscheinlich keinen Halt mehr hat.
So tauchen wir auf, legen unsere Ausrüstung ab und machen uns gleich
auf und fahren zurück an den Ankerplatz an dem wir bisher waren. Dafür
das wir nicht mit dem Dingi zum Tauchen fahren mussten hat sich das auf alle
Fälle gelohnt.
Tauchen macht hungrig also sehen wir zu, das wir aus dem gestern gekauften
Fleisch ein Gulasch zaubern. Nach dem Abendessen holen wir Alexandra und Karl
ab und gehen noch auf ein Bier zusammen an Land. In einem Restaurant soll
heute eine Party sein, doch irgendwie ist da nix los. Also gehen wir in die
nächste Bar. Dort ist zwar was los, doch nur durch ein paar volltrunkene
Touristen. Das ist zwar eine Weile recht amüsant anzusehen, doch denn
ganzen Abend muss man sich das auch nicht antun. Weiter zur nächsten
Bar, dort trinken wir gemütlich was und laufen dann wieder zurück.
Mittlerweile ist in der Bar in der wir zuerst waren auch etwas Stimmung aufgekommen
und auf einen kleinen Absacker kehren wir dort doch noch ein, ehe wir uns
wieder auf den Heimweg machen und für heute und diese Woche Schluss ist.
... was uns die neue Woche so gebracht
... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long
Diana + Thomas
Guy de Maupassant sagte:
"Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen."
Recht hat er.
Dies soll auch das letzte Zitat hier gewesen sein, da diese "schlauen
Sprüche" wohl leicht und schnell missverstanden oder fehlinterpretiert
werden. So war das nicht gedacht und nie gemeint und um dies auszuschließen
werden wir das einstellen, ehe sich der Satz, der in der vergangenen Woche
das Logbuch schloss ("Wie oft trennt uns das Wort, anstatt uns zu verbinden")
bewahrheitet.
Ansonsten gibt es dieses Büchlein zu kaufen, erschienen im Herder Verlag
ISBN- 3-451-26943-0
Wenn es auch in der vergangenen Woche keinen gab, diese Woche gibt es wieder
einen;
der kulinarisch Tip!
Heute eine Vorspeise oder schmeckt auch mal als kleiner Snack
Überbackene Tomaten ( für 4 Personen )
8 mittelgroße Tomaten
Jodsalz, Pfeffer, einige Stiele Thymian, je ½ Bund Petersilie und Schnittlauch,
1 Knoblauchzehe, 2 El geriebener Parmesan, 1 EL Semmelbrösel 1 EL Olivenpaste
oder einfaches Tomatenmark tut es auch ( dann etwas mehr würzen )
Tomaten waschen, trocken reiben und halbieren. Mit den Schnittflächen
nach oben in eine leicht gefettete Auflaufform setzen, Salz und Pfeffer drüber
streuen.
Knoblauch schälen und zusammen mit Thymian und Petersilie hacken, Schnittlauch
in Röllchen schneiden. Alles mit Parmesan, Semmelbrösel, Tapenade
( oder Tomatenmark ) und Pfeffer mischen und auf die Tomaten geben.
Bei 200°C ca. 8 Minuten gratinieren!
Wohl bekomms´!






