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KW23 2001

03.06. - 09.06.2001

Wir sind die Nacht hindurch unterwegs und kommen leider nur sehr langsam voran. Der Wind meint es nicht gut mit uns.
Wieder direkt auf die Nase, was da heißt: motoren!
Nicht genug, auch noch fiese Wellen bei starkem Seegang. Und das die ganze Nacht hindurch.
In italienischen Gewässern werden wir dann jedoch von einer verspielten Delphin-Schule begrüßt, und immer wieder sind welche zu sehen.
Unsere geplante Route können wir nicht fahren. Durch die widrigen Umstände in der Nacht sind wir schlecht vorangekommen und der Wetterbericht bringt für die kommende Nacht 30-40 Kts. Wind in Küstennähe und auf offener See bis zu 60 Kts.
Also laufen wir am Nachmittag in Mola di Bari ein.
Eine Mole, ein Fischerhafen, wo wir warten wollen bis das Schlimmste vorbei ist.
Doch nach nur 4 ½ Stunden Schlaf ist auch diese Nacht zu Ende.
Die angekündigten 40 Knoten und grober Seegang schmeißen uns aus der Koje.
Bis um 08:00 Uhr früh geht das so, dann hält auch der Anker dieser Kraft nicht mehr stand und rutscht.
Wir bringen uns wieder in Position und ankern erneut.
Unter Motor, um vom Anker etwas Druck zu nehmen, und mit viel jonglieren geht das bis Mittags um 15:00 Uhr. Seit 12 Stunden geht das nun so, und kein Ende in Sicht.
Erst nach Mitternacht ankern wir das letzte Mal neu, und können dann auch e n d l i c h schlafen gehen.

Es ist der Dienstag morgen und um 08:00 Uhr holen wir den Anker auf und verlassen Mola di Bari und haben wieder eine beachtliche Strecke vor uns.
Wieder die Nacht hindurch nehmen wir Kurs auf St. Maria de Leuca. 118 sm.
Auf dem Weg dort hin begegnet uns so allerhand: einsam und verträumt taumelt an der Wasseroberfläche ein Mondfisch an uns vorbei. Ein Fisch der zwar weltweit verbreitet ist, jedoch nur selten zu sehen.
Kurze Zeit später bekommen wir Besuch aus der Luft. Die Guarda di Finanza ( ital. Finanzbehörde ) schwebt im Heli über uns. Die inspizieren uns aus nächster Nähe, und das so dass Tom durch das von den Rotorblättern aufgewirbelte Meerwasser eine Dusche abkriegt.
Das Allerbeste: wir segeln! Bei feinem Wetterchen und super Wind segeln wir den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch.
Entlang dem Golf von Taranto überfahren wir Wassertiefen von bis zu 2300 m. Bei Vollmond durch die Straße von Otranto und morgens geht über den Albanischen Bergen die Sonne auf. Unseren Weg kreuzen Fischer, riesige Frachter, Fähren und nicht zu vergessen, die beleuchteten Tanzschiffe, die Kreuzfahrschiffe.
Im Hafen von St. Maria de Leuca laufen wir Mittwoch morgens ein und machen fest. St. Maria de Leuca ist sozusagen der Absatz des italienischen Stiefels und auch die Grenze zwischen dem Adriatischen Meer und dem Ionischen Meer.
Nach dem Einklarieren wird erst mal ausgiebig gefrühstückt.
Dann ein bisschen schlafen und aufräumen, und SILVER BLUE braucht auch dringend eine Dusche.
Nach einer feinen italienischen Holzofenpizza geht's zeitig in die Koje, damit wir fit sind für unsere nächste Etappe.

Donnerstag morgen um Punkt 09:00 Uhr machen wir die Leinen los, und uns auf den Weg nach Taormina / Sizilien. Und wieder wollen wir die Nacht hindurch und den nächsten Tag unterwegs sein.
Mittlerweile haben wir auch an unserem Schichtplan ein wenig gearbeitet, was notwendig war und bei solchen Strecken äußerst wichtig ist. Somit gehen wir einigermaßen geregelt abwechselnd Wache.
Auch heute haben wir, bis auf ein paar Stunden, gutes Wetter und guten Wind. 11 Stunden sind wir unter Segeln, und mit dem Genaker haben wir zeitweise fetzige 8 Knötchen gemacht. Nicht schlecht oder?!
Doch am Abend macht der Wind leider nicht mehr mit. Also bleibt uns nichts anderes als die Dieselfock wieder in Betrieb zu nehmen, wir motoren also durch die Nacht.
Der Mond ist zwar etwas spät aufgegangen doch er leuchtet uns auch durch diese Nacht hindurch.
05:15 Uhr und wir setzen die Fock und das Groß mit einem Reff. Hurra; Motoren aus! Für 3 Stunden können wir fein segeln, dann ist es wieder vorbei. Zwischendurch ab und an wieder für ein zwei Stündchen Segel setzen, aber nichts beständiges.
Am Nachmittag haben wir wieder den Wind und die Wellen derart von Vorne, das wir den Kurs ändern um nicht dagegen anfahren zu müssen. Mittlerweile haben wir auch unsere geplante Route neu bestimmt. Es geht nicht nach Taormina, wir würden dort erst nachts gegen 2 - 3 Uhr ankommen. Leider gibt es entlang der Küste verhältnismäßig wenig Häfen, und Buchten schon gar nicht. Also beschließen wir wieder durchzufahren.
Bis 22:35 Uhr ist es dunkle Nacht. Doch dann erscheint am Horizont der Mond, knallrot, wie ein Feuerball.
Doch nachts unterwegs zu sein, heißt Augen auf und wachsam sein. Die riesigen Frachter und Fähren die unterwegs sind kommen nämlich ganz schnell näher. Hier hilft das Radar natürlich extrem, doch man muss diese Kolosse, oder wie wir mittlerweile zu sagen pflegen „dicke Dübel", im Auge behalten und teilweise selbstverständlich auch ausweichen und Platz geben.
Entlang der Ostküste Kalabriens, umfahren wir Capo Spartivento und Capo dell´ Armi und dann direkt in die Strasse von Messina. Freitag, Mitternacht Kurs 305°, Einfahrt in die Strasse von Messina.
An Land, Lichtermeere!!! Das ist zwar sehr imposant anzusehen, erschwert aber ungemein, die „dicken Dübel" zu sehen, vor allem, zu erkennen welchen Kurs sie fahren: Dank sei Radar!
Nun ist auch wieder Wachablösung, die nächste Schicht hat Tom.
Gegen 02:30 Uhr erscheint südwestlich in den Bergen ein roter Lichtkegel. Doch das ist kein „normales" Licht, nein das ist der Vulkan Ätna. Mit dem Fernglas sehen wir ganz genau, wie die orange-rotfarbenen Rauchsäulen aus dem Krater empor steigen.
Fast 3 Stunden lang beobachten wir dieses faszinierende Naturschauspiel immer wieder, und es scheint, als würde sich der Teppich roter Lavaglut, der den Krater umgibt, vergrößern. Die Luft ist richtig rauchig, und beim Blick zurück ist erst zu sehen, welche Rauchschwaden auf dem Wasser und über der Insel liegen.
Wir befinden uns mittendrin, in der Straße von Messina und nun heißt es erst recht: Holzauge sei wachsam. Hier herrscht ein Verkehr, im speziellen der Fährverkehr, Wahnsinn! Hinzu kommt, der bestehende Strom hat abgerissen und wir fahren somit gegen die Strömung, da muss Man(n) viel steuern.
Durch die Fähren durchgemogelt halten wir schön Kurs, lassen Messina hinter uns und schon befinden wir uns im Tyrrhenischen Meer. Vorbei an vielen kleinen Fischerbooten und den grossen Frachtern, die darauf warten, das sie von einem Lotsen durchgeleitet werden, nehmen wir Kurs auf Tindari.
Doch bis dahin sind es noch gute 30sm, also werden wir wohl am frühen Nachmittag dort ankommen.

Auf dem Weg nach Tindari sehen wir etwas noch etwas ganz besonderes. Schwertfischfänger, oder besser Schwertfischjäger!
Der Schwertfisch wandert im Juni von Norden nach Westen durch die Strasse von Messina, so dass dann vor den Küsten Siziliens die Fischer in ihren Spezialbooten zu sehen sind.
Die Art und Weise, wie dieser Fisch gefangen wird ist einzigartig. Angeblich schläft der Schwertfisch tagsüber an der Wasseroberfläche und treibt nur träge dahin, so dass sich die Boote fast unbemerkt nähern können und der Fisch harpuniert werden kann. Mit motorisierten Booten mit extrem hohem Mast, auf dem sich eine Art Korb befindet, in dem bis zu 3 Personen Ausschau nach dem Fisch halten, fahren die Fischer hinaus.

Das Boot hat einen Bugspriet der fast länger ist als der Rumpf des Schiffes. Hier befindet sich der Harpunier mit seinen fast 3 m langen Harpunen. Die im Ausguck halten die Augen offen, und wenn sie einen Schwertfisch sehen, geht es rund, dann wird gejagt Dann lässt sich der Mann am Steuer auch nicht von großen Frachtern ablenken, nur noch Augen für den Fisch.


Ein Kap haben wir noch zu umfahren dann steuern wir direkt auf Tindari zu.
Tindari hat eine schöne ruhige Bucht mit Sandstrand und liegt relativ geschützt. Genau das Richtige für uns um ein wenig zu pausieren.
Tindari ist ein sehr bekannter Wallfahrtsort mit einem Kloster, welches direkt oberhalb der Bucht auf den Klippen steht.
Hierher pilgern Wallfahrer aus ganz Sizilien, denn das Kloster birgt den Schrein der wundertätigen „Schwarzen Madonna".

Samstag 13:30 Uhr in Tindari angekommen rasselt die Ankerkette auf den Meeresboden. Geankert und für heute und diese Woche ist Schluss.
Abgeschlossen wir der Tag mit einem köstlichen Essen. Thunfisch aus dem Ofen mit Kartoffeln und Karotten, abgeschmeckt mit Salz, Pfeffer und Kräuter der Provence kommt das Ganze mit Olivenöl in einer feuerfesten Form für 30 Minuten bei 200°C in den Ofen. Lecker, lecker, lecker!
So, das war noch ein kleiner kulinarischer Einblick in unsere Bordküche!

Was uns die neue Woche so alles gebracht hat ... in einer Woche wieder hier: gleiche Welle, gleiche Stelle! so long