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KW27 2001

01.07.2001 - 07.07.2001

Es ist Sonntag der 01.07. und für uns geht es heute wieder weiter, allerdings wird es eine ganz kurze Strecke, denn es ist wieder Wind angesagt, und das mehr als zum Segeln unbedingt nötig ist.
Mistral kommt! Mit diesem Begriff bezeichnet man Stürme die aus nördlicher bis nordwestlicher Richtung kommen, und das meist heftig. Also fahren wir sozusagen grad mal um die Ecke und ankern in Golfo di Saline. Es stellt sich bald heraus das es die richtige Entscheidung war den Mistral hier abzuwarten , denn mit 34 Knoten Wind in dieser geschützten Bucht, da kann man sich leicht ausmalen was entlang der Küste los ist. Leider ist es in dieser Bucht abends ziemlich laut. Von drei Seiten hören wir irgendwelche Animationen und Tanzmusik bis spät in die Nacht.

Trotz allem ausgeruht ist am Montag Morgen um 07:30 Uhr der Anker oben und wir somit unterwegs auf die Balearen, nach Menorca. Ja, das heißt wir machen wieder eine Nachtfahrt! Moment, das stimmt nicht ganz, das werden zwei Nachtfahrten. Los geht´s! Zunächst werden wir jedoch noch mal richtig durchgeschaukelt, denn dieser Mistral hat ordentlich Seegang hinterlassen. Doch nach 3 Stunden ist das überstanden und wir haben feinstes Segelwetter.
Tom badet den Köder ein wenig, doch heute ist nichts mit Petri heil. So segeln wir schön und gemütlich den ganzen Tag bis in die Nacht hinein. Ich habe die erste Schicht, also darf Tom ein wenig schlafen. Doch ich bin nicht ganz alleine, Kollege von Sonne, wo hat Nachtschicht, ist zum Glück auch da. Es ist fast Vollmond und so macht es richtig Spaß nachts unterwegs zu sein. Wie es scheint ist außer uns kaum jemand unterwegs, echt wenig los.
03:00 Uhr in der Früh und Schichtwechsel, also darf ich mich aufs Ohr hauen. Somit kann Tom wieder einen schönen Sonnenaufgang genießen. Doch nicht nur das, er sieht auch wieder die ersten Delphine; lange keine gesehen!

Am Dienstag haben wir nicht so viel Glück mit dem Wind, denn es gibt keinen, leider, denn das heißt wir fahren mit Motor. Ist sowieso komisches Wetter, total diesig und schwül ohne Ende, und das Meer total flach. Da war doch eben was, da ist doch was gehüpft, und noch mal!
Wieder Delphine. Es ist eine wahre Freude diesen Tieren zu zusehen, wie sie durchs Wasser gleiten, wie sie spielen, richtig ausgelassen. Die fiepen sogar richtig wenn sie aus dem Wasser rausspringen. Was total witzig ist, ist wenn sie mit den Schiffsrümpfen spielen; erst sind sie neben dem Schiff und dann schwimmen sie zwischen den Bugspitzen mit uns mit, bis zu 6 Delphine tummeln sich teilweise dort.
 

Vor einem Monat stand in unserem Logbuch das wir in italienischen Gewässern angekommen von Delphinen begrüßt werden. Also entweder verabschieden sie sich nun wieder, oder es ist die Begrüßung in den spanischen Gewässern. Ich weiß wohl, das sich das jetzt albern anhört, doch es ist 15:30 Uhr als wir von den italienischen Hoheitsgewässern in die Spanischen kommen und genau hier sehen wir diese liebenswürdigen Tiere zum dritten und letzten Mal an diesem Tag.
Doch plötzlich wird es am Heck des Schiffs interessant. Denn, wo Delphine sind, sind auch Fische. Und Tom hat ja schließlich die Angel draußen. Was nun beginnt ist unglaublich: über eine Distanz von 9 Seemeilen und 2 ¾ Stunden kämpfen Tom und ein Thunfisch miteinander, oder besser gegeneinander. Dann ist es so weit, der Fisch, schon im Käscher und fast an Bord. Ein Riesenteil. Doch leider hat der immer noch viel Kraft und wehrt sich kräftig. Dann passiert das Unfassbare: Der Fisch ist weg, samt Köder. Ohje! Wir stehen beide da und können das gar nicht glauben. Erst recht nicht, wie Tom sieht woran das Ganze letztendlich gescheitert ist: das Stahlvorfach ist gebrochen. Für Nichtangler ( wie ich es z.B. bin ), das Stahlvorfach ist eine Verstärkung zwischen dem Köder und der Leine.
Ein blöder Materialfehler bringt uns also um ein Prachtexemplar von einem Fisch! Und nicht nur um den Fisch, nein damit nicht genug, auch der neue superduper Köder ist weg. So ein Ärger! Mittlerweile ist es auch schon Abend und wir haben unsere zweite Nachtfahrt vor uns. Ich habe wieder die erste Schicht und Tom übernimmt dann wieder gegen 03:00 Uhr.

Es ist Mittwoch und nach 260 Seelmeilen und 52 Stunden erreichen wir mittags Menorca, Puerto de Mahón. Hola! Nach Pearl Harbour ( Hawaii ) ist der Hafen Mahón der zweitgrößte Naturhafen der Welt. Da hier auch ein Handelshafen und Fährbetrieb ist, herrscht reger Verkehr und man schaut nicht schlecht, wenn einer dieser riesigen Dampfer an einem vorbei fährt und dann auch noch ins Horn stößt. Dann fahren ständig, mit Touristen voll besetzte, Glasbodenboote durch den Hafen, also ist nicht viel mit Ruhe.
Ansonsten ist hier leider nicht viel Platz, und schon gar nicht zum Anlegen, also wir geankert. Zwischen den beiden Hafeneinfahrten drücken wir uns zwischen andere Boote und sind damit erst mal zufrieden, denn lange wollen wir hier ja auch nicht bleiben. Nach einer kleinen Stärkung, so eine „Frühstück und Mittagessen in einem Mahlzeit", kümmern wir uns erst mal um die Formalitäten bzgl. einklarieren, und dann ist aber höchste Zeit für einen kleinen aber wichtigen Mittagsschlaf. Abends geht es nach einem kleinen Bummel entlang des Hafens und einem kleinen Abendessen früh zu Bett.

  Weiter geht es am Donnerstag nach Cala Fornells. Diese Bucht ist von Mahón nur 20sm entfernt, also können wir es gemütlich angehen. Dort angekommen dauert es ein wenig bis wir einen brauchbaren Platz zum Ankern finden denn es ist relativ viel los hier und scheinbar schlechter Ankergrund. Doch wir finden noch ein schönes Plätzchen werden hier wohl ein wenig bleiben. Fornells hat einen kleinen Hafen und ist eigentlich ein altes Fischerdorf, doch wie es scheint ist davon nicht mehr viel übrig geblieben. Für eines ist Fornells ganz bekannt: seine frischen Langusten und der berühmten Caldereta, eine Art Eintopf mit Langusten.

Am Freitag gibt es das böse Erwachen. Nachts gab es Scirocco. Das ist auch eine Bezeichnung für einen bestimmten Wind. Ein feucht warmer Wind aus süd- bis südöstlicher Richtung der aus der Sahara weht und roten Wüstensand mit sich führt. Wüsten roten Sand hat der mitgebracht, und wie, und alles schön gleichmäßig auf dem ganzen Schiff verteilt.
Das bedeutet viel Arbeit. Doch zuerst müssen ein paar andere wichtige Dinge erledigt werden, denn unser Generator hat den Geist aufgegeben, und das ist schlecht: kein Generator, kein Strom. Wir haben Glück und bekommen im Hafen in einer kleinen Werkstatt das benötigte Ersatzteil. Also repariert Tom den Generator, und wo er schon mal wieder im Motorraum ist, wird auch gleich noch ein Ölwechsel gemacht. Ich mach mich in der Zeit an sanitären Reparaturen zu schaffen. So ist auch dieser Tag schnell vorbei. Abends schauen wir uns Fornells dann von Oben, von einem Turm oberhalb der kleinen Stadt an und belohnen uns mit einem gemütlichen Abendessen.

Es ist Samstag der 07.07. und es gab über Nacht zum Glück nicht noch einmal Scirocco, also wird heute das Schiff geputzt. Und da es hier keinen Anschluss für einen Schlauch gibt, heißt es an die Eimer fertig los. Mit einer Pütz wird das Schiff mit Salzwasser geputzt. Um uns herum ist wieder reges Treiben, denn es gibt hier auch mehrere Surf- und Segelschulen, und überall sind die kleinen bunten Jollen und viele Surfer. Das Schiff ist sauber, es ist geschafft und wir sind es auch. Somit ist für heute und diese Woche Schluss.
Da fehlt doch noch was!? Genau, der kulinarische Einblick fehlt. Doch das wird heute eher ein Ausblick. Also, wer nach Fornells kommt und richtig gut und gepflegt essen gehen möchte; Cranc Pelut ist der Name eines tollen Restaurants. Können wir nur wärmstens empfehlen, und ein ganz heißer Tip: die Paella!

Was uns die neue Woche so alles gebracht hat ... in einer Woche wieder hier: gleiche Welle, gleiche Stelle! so long Grüße von Diana + Tom