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KW29 2001

15.07.2001 - 21.07.2001

Es ist Sonntag der 15.07. und wir sind in Bahia de Paguera auf Mallorca. Ehe wir heute frühstücken dürfen heißt es erst mal Einsatz zeigen, denn der angekündigte Mistral kommt tatsächlich.
Jetzt muss es richtig schnell gehen, denn der Seegang wird immer stärker und steht genau in Bucht. Martin und ich hüpfen ins Dingi um die Heckleine einzuholen und Tom kümmert sich zusammen mit Petra um den Anker.
Bei ordentlich Seegang ziehen wir uns mit dem Dingi entlang der Heckleine zu dem Felsen an dem wir Tags zuvor die Leine befestigt haben. Jetzt heißt es aussteigen und die Leine losmachen; da geh ich auch schon über Bord und unfreiwilligerweise baden. Egal! Nix wie ab mit der Leine, ins Dingi krabbeln und Tom zieht uns zurück zum Schiff und dann weg von hier.

Eine Stunde später ankern wir im 3sm entfernten Santa Ponsa. Nun haben wir uns doch aber wirklich ein schönes Frühstück verdient. Und was es da leckeres gibt. Martin war an Land und hat frische Brötchen ( für die Bayern: Semmeln ) geholt, Mohnbrötchen gibt es sogar. Bis zu 36 Kts Wind, da empfiehlt es sich zu bleiben wo man ist und abzuwarten was da kommt.
Zum Glück gibt es heute Formel 1 und einen Fernsehsender der dieses Spektakel überträgt findet sich heute auch ganz schnell. Gegen Abend lassen die Winde dann nach, was auch gut ist, denn wir müssen noch an Land da Petra und Martin heute wieder zurückfliegen.
   Petra und Martin

So machen wir uns mit dem Dingi auf den Weg uns ein nettes Lokal zu suchen. Doch ehe wir ein Lokal ausfindig machen finden wir etwas, oder besser gesagt jemand anderes. Da treibt in der aufgewühlten See ein Mann, fuchtelt um sich und winkt in Richtung eines Motorbootes. Doch dort reagiert keiner. Wir fahren zu dem Mann hin und stellen fest das es ein Franzose ist der von seinen Motorbrazenkumpels etwas weit ab kam. Wir bringen ihn dahin zurück, und wie es scheint hat keiner diesen Mann vermisst. So was! Dieser kleine Umweg hat Petra und mir noch eine nette Dusche beschert, so das wir dann mit leicht nassen Klamotten in einem schönen Lokal direkt am Strand sitzen. Nach dem Essen heißt es dann Auf Wiedersehen sagen. Petra und Martin reisen ab und Tom und ich schlendern noch ein wenig durch die Stadt

Der Montag bringt Regen, viel viel Regen. Teilweise sollen auf Mallorca teilweise über 100 Liter/qm gefallen sein und die Stürme schwere Schäden angerichtet haben. So berichtet ein Radiosender von einem Tornado und einer gesunkenen Segeljacht in Soller, was nicht all zu weit von Paguera weg ist. Da hatten wir es ja richtig Glück gehabt.
Dieser Regen bringt auch einen krassen Temperaturunterschied mit sich, 15 °C weniger gegenüber dem Vortag. Da man eh nicht viel machen kann und die Nacht eher unruhig war, bietet es sich an ein kleines Schläfchen zu machen.
Gegen Abend lässt der Niederschlag dann nach und wir machen uns auf den Weg noch ein paar Lebensmittel zu besorgen und gehen noch einen Happen essen, und dann lassen wir es für heute gut sein.

Aufstehen, 07:00 Uhr! Anker auf 07:30 Uhr und los geht´s! Das ist der Dienstag Morgen und wir nehmen Kurs auf Ibiza. Damit das auch direkt ins Blut geht, gibt es ein wenig Musik und aus den Boxen der lagunentauglichen Außenanlage dröhnen die Vengaboys mit we´re going to Ibiza !!! Da kommt man doch gleich richtig in Schwung.
Diesen Schwung nutzen wir doch gleich und setzen die Segel. So gleiten wir dahin und das ist genau das Richtige für ein gemütliches Frühstück unterwegs. Wir haben feinstes Wetter und suuuuper Wind, genial! Mit gesetztem Großsegel ist das die Gelegenheit mal wieder ein paar Leinen zu erneuern. Heute sind die Reffleinen dran und die Dirk wird auch erneuert. Geschafft und gut schaut´s aus!
Gegen 20:00 Uhr erreichen wir Cala Portinatx, eine schöne und wohl auch bekannte Bucht, denn sie ist gut besucht. Wir drücken uns noch in eine Ecke, doch nur für kurze Zeit. Der Ankergrund taugt nicht und einen griesgrämigen Nachbarn haben wir auch. Hinzu kommt das ringsrum in dieser Bucht Bars und Discotheken sind, und da geht es jetzt schon rund. Das müssen wir nicht haben und somit ist der Anker 1 Stunde später schon wieder oben und wir auf dem Weg in eine andere Bucht, Cala Characa. Eine große, ruhige Bucht, fast um die Ecke und nur 2 Schiffe sind hier. Wie gemacht für uns. Jetzt aber, ankern und an die Pfanne fertig los, Abendessen machen.

Am Mittwoch Morgen fällt das Aufstehen nicht so leicht. Wir hatten zwar einen sicheren Platz hier, doch der Wind pfiff aus allen Richtungen und das recht heftig und vor allem; die ganze Nacht hindurch.
In den Wettervorhersagen kommt öfters die Meldung „umlaufende Winde", mittlerweile ist klar was das bedeuten soll: die kommen wirklich aus allen Richtungen, laufen rings herum, umlaufende Winde eben!
Und da auch für die nächsten Tage wieder starke, und auch umlaufende, Winde angesagt sind suchen wir uns auf der anderen Seite der Insel ein Plätzchen. Beim Verlassen der Bucht wird noch eine kleine, aber wichtige Übung gemacht. Wir führen „Mann über Bord Manöver" durch!
Ich steh am Ruder und Tom schmeißt einen Kugelfender über Bord, den gilt es so schnell wie möglich und sicher wieder an Bord zu holen, als wäre es ein über Bord gegangener Mensch! Diese Übung hatten wir schon einmal gemacht, und heute klappte das Ganze mehrfach ganz gut. Was wir mit dem Fender üben, das ist sozusagen nach dem Lehrbuch. Wenn man jedoch nur zu zweit unterwegs ist, ist diese Variante kaum durchführbar. Wir haben für einen solchen Fall ein Rettungssystem an Bord das sich Lifesling nennt; eine Art Rettungsring an einer Schwimmleine befestigt. Dieses befindet sich direkt am Steuerstand und ist sofort griffbereit. Also ein System welches auch alleine zu bedienen ist und das ist äußerst wichtig. Und das üben wir natürlich auch gleich.
Jetzt aber, raus aus der Bucht und weiter in Richtung Ostküste Ibiza. 13sm weiter ankern wir dann in Cala Boix. Auch hier ist es kaum anders als auf Mallorca; die Buchten sind üüübervoll. Auch in Cala Boix ist recht viel los, doch diese Bucht ist eine der wenigen, wenn nicht die einzigste in der Nähe, welche Schutz bietet vor dem angekündigten Wetter. Erfahrungsgemäß gehen abends viele und dann dürfte es etwas übersichtlicher werden, und so kommt es auch.

Es ist Donnerstag und wir bleiben in Cala Boix. 10:00 Uhr und er ist da: Mistral, und durch den heftigen Wind hält unser Anker nicht mehr, d.h. wir müssen neu ankern. Beim dritten Versuch hält der Anker dann wieder und uns pfeift der Wind mit bis zu 40 Kts um die Ohren. Da sind sie wieder, die umlaufenden Winde.
Gut festgeklammert kann man so genial Wäsche trocknen, doch für mehr taugt dieses Wetter wirklich nicht. So sitzen wir mal wieder einen kleinen Sturm aus und sind zufrieden wenn es nicht mehr wird.
Es ist bedenklich! Sind diese Wetterverhältnisse denn schon die Auswirkungen der Veränderungen der Klimazonen, der kaputten Ozonschichten und was da alles dazu gehört? Man hat den Eindruck das die Häufigkeit und die Intensität dieser Wetterveränderungen sich immer mehr verstärkt. Ist es da nicht blanker Hohn wenn der Präsident einer Weltmacht; George W.Bush, sagt das Ihn das nicht interessiere und die USA die Beschlüsse der Weltklimakonferenz nicht unterstütz und umsetzt?!
Gegen Abend lassen die Winde ein wenig nach, so dass Tom ein wenig zum Schnorcheln gehen kann. Ich bleibe sicherheitshalber an Bord.
Freitag und wir stürmen Ibiza! Dachten wir, doch das haben schon viele vor uns getan. In keinem der drei Häfen in Ibiza Stadt bekommen wir einen Liegeplatz, alles voll. Also tanken wir ein paar Liter Diesel und füllen unsere Wassertanks und suchen uns eine Stelle um zu ankern. Nahe der Hafeneinfahrt liegen bereits etliche Schiffe und hier legen wir uns einfach dazu. Ein richtig nettes Plätzchen, schönes Wasser, Blick auf die Altstadt, in den Hafen und bis nach Formentera.

Doch mit der Gemütlichkeit ist es vorbei, als all diejenigen die tagsüber auf Formentera waren wieder heimkehren in die Häfen. Wie die Hornissen fallen die ein, und Wellen machen die, nicht auszuhalten. Ein Motorboot nach dem anderen; große kleine, schnelle langsame, dazwischen noch Fährverkehr. Der schiere Wahnsinn!
Ein Blick durch das Fernglas lässt schnell klar werden das sich das so schnell nicht ändern wird, zig Segler und Motorboote sind am Horizont auszumachen und alle Kurs Ibiza. Nichts wie weg von hier. Nicht weit, nur um die Ecke, Cala Talamanca. Hier ist es relativ ruhig und geschützt, hier wird geankert.

sEs ist Samstag der 21.07. und es war an der Zeit mal wieder das Schlafdefizit auszugleichen. Dann geht es los, ein wenig einkaufen und Gas für den Herd brauchen wir auch. Wenn wir schon bei Herd und kochen sind; der kulinarische Ausflug dieser Woche. Obwohl hierfür kein Herd benötigt wird, denn heute bleibt die Küche kalt. Es gibt einen „leichten" Brotaufstrich mit Thunfisch. Man nehme:
2 kleine Dosen Thunfisch (in Öl oder in Wasser ), das Öl oder Wasser ablaufen lassen, den Thunfisch in eine Schüssel geben und mit einer Gabel zerpflücken. 1 Becher Saure Sahne zugeben und das Ganze vermengen. Abgeschmeckt wird wie immer nach Gusto mit: Salz, frisch gem. Pfeffer, ein paar Tropfen Zitronensaft. Wer etwas mehr Pepp möchte gibt noch Cayenne Peffer dazu.
Noch ein paar Minuten in den Kühl- oder Eisschrank damit, so dass alles schon kühl ist. Da wir hier ( leider ) kaum Saure Sahne kriegen, gibt es auch einen kleinen Trick: Creme Fraiche kann auch verwendet werden, doch dann vermischt mit normalem Quark. Geschmacklich tut das keinen Abbruch und die Sache bleibt ein „leichter" Brotaufstrich. Das Ganze auf ein gutes Brot gestrichen, egal ob Baguette, Mischbrot oder Körnerbrot, fertig! Um ein paar Vitamine zu sich zu nehmen, gibt es noch ein wenig Rohkost dazu: Tomaten, Paprika oder Salatgurke klein schneiden und etwas salzen, pfeffern. Mahlzeit!
An dieser Stelle noch ein Appell: Kauft Thunfisch welcher delphinfreundlich gefangen wurde. Diese Produkte sind mit einem Logo speziell gekennzeichnet, es ist ein Delphin abgebildet oder es steht einfach ein Hinweis auf der Verpackung. Eine einheitliche Kennzeichnung existiert hierfür leider nicht. „Billig-Thunfisch" wird meist mit riesigen Treibnetzen gefangen in denen sich dann viele Delphine verfangen und verenden, und das muss nicht sein! Danke.

Zurück vom kulinarischen Ausflug wieder nach Ibiza. Wir fahren mit einer kleinen Fähre nach Ibiza Stadt. Da Siesta ist, ist es in den Gassen verhältnismäßig ruhig, doch wenn man sieht wer und was da so unterwegs ist, kann man erahnen was Nachts hier abgeht. Das wollen wir uns dann später ansehen. Jetzt geht es durch die Tore der Altstadt hoch hinaus. Von hier haben wir einen schönen Ausblick über die Dächer Ibizas, über die Häfen, die angrenzenden Buchten und einen genialen Ausblick nach Formentera.

   Auf dem Weg zurück machen wir einen kleinen Einkehrschwung und essen eine Kleinigkeit.
So steigen wir die Stufen der Altstadt wieder hinab, kaufen an einem Marktstand noch ein wenig Obst und Gemüse und machen uns auf den Weg zu unserem schwimmenden Zuhause.
Dort angekommen stellen wir recht früh fest, dass die große Sause in Ibiza Stadt ohne uns stattfinden muss..

Also bleiben wir an Bord und somit ist für heute und diese Woche Schluss.

Doch ehe ganz Schluss ist gibt es noch eine Neuigkeit. Ab sofort sind wir an Bord auch via Satellit erreichbar, per Fax und telefonisch. Täglich zwischen 16:00 und 17:00 Uhr MESZ ( 14:00 bis 15:00 Uhr UTC ), diese Information ist auch auf der homepage jederzeit abrufbar unter „Kontakt" „Post" Telefon - Nr. 0087 1631991218 Fax - Nr. 0087 163199123

... und noch etwas aktuelles: Am kommenden Sonntag gibt es aller Voraussicht nach im Radio ein Interview mit uns zu hören. Der Sender SWR3 wird zwischen 16 und 19Uhr in der Sendung Wildweit einen Beitrag über unseren Törn senden. Wer mit dabei sein will, einschalten: Frequenz UKW 94,3 oder 98,4
... oder via Internet www.swr3.de
... oder über KW im 49m Band auf 6030 bzw. im 41m Band auf 7265.

Was uns die neue Woche so alles gebracht hat ... in einer Woche wieder hier: gleiche Welle, gleiche Stelle! so long

 

Grüße von Diana + Tom