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KW 38 2002
08.09. - 14.09.2002
Es ist Sonntag der 08. September, wir sind in Chacachacare / Trinidad und
liegen dort in der Sanders Bay vor Anker.
Um 13 Uhr holen wir den Anker auf und kehren Trinidad nun ein für alle
Mal den Rücken; Zeit für was Anderes, auf zu neuen Zielen.
Venzuela wir kommen!
Knappe 100 Meilen liegen vor uns, und da wir bei Tageslicht ankommen möchten,
ist für die Ansteuerung besser, starten wir früh, denn wer weiss
was die Nacht windtechnisch parat hat.
In Begleitung eines Regenschauers verlassen wir Chacachacare, und so wie wir
aus der Bucht rausfahren, schwimmen ein paar Delphine rein. Echte Trini -
Delphine, denn Chacachacare und Scotland Bay sind am Wochenende beliebte Ausflugsziele
der Trinis.
Zu Anfang liegt eine etwas unruhige See vor uns. Zwischen den Inseln herrscht
ein starke und teilweise auch komische Strömung die mit dem blosen Auge
weit voraus zu sehen aber nicht zu umfahren ist.
Da müssen wir durch, dann holpert es eben ein wenig.
Eine Stunde motoren wir, dann können wir Segel setzen und gehen auf Kurs.
Das Grossegel gerefft und die Fock ganz draussen geht es mit halbem Wind zügig
voran.
Das ist Segeln!
Wenn man bedenkt das wir derzeit ziemlich schwer sind; die Dieseltanks voll,
die Wassertanks voll und auch sonst viel an Bord, dann sind wir irre schnell.
8,7 Kts. zeigte das Log an! Das kann sich sehen lassen.
Einen kleinen Haken hat diese Geschwindigkeit allerdings: es geht nichts an
den Haken!
Wir sind einfach zu schnell um zu fischen. Doch man kann nicht alles haben,
die Straße und den Graben.
Bis 20 Uhr segeln, pfeiffen, wir so dahin, doch der Wind kommt immer mehr
achterlich und die Fock wird nicht mehr richtig angeströmt und schlabbert
nur noch herum. Die Fock eingeholt, das Groß nach wie vor gerefft, und
es sind immer noch 7 Kts Fahrt.
Besonders viel sehen ist heute Nacht nicht, denn vor zwei Tagen war erst Neumond
und teilweise ist es auch ziemlich bewölkt.
Doch wenn die Wolken weg sind, dann leuchtet uns das Sternenzelt ein wenig
und das hat ja auch was.
Um Mitternacht haben wir noch etwa 30 sm vor uns und ein wenig Regen werden
wir in Kürze auch bekommen, denn direkt vor uns hängen fette Regenwolken
am Himmel.
Um 1 Uhr wechseln wir das Segel. Das Groß kommt runter und wir setzen
die Fock wieder.
Wie es scheint sind wir selbst so zu schnell; 6,8 Kts !!!
Also zu schnell was unsere berechnete Ankunftszeit betrifft, denn wenn wir
in diesem Tempo weitersegeln kommen wir Nachts an, was wir nicht wollen! Wir
haben ja Zeit.
So machen wir die Fock direkt etwas kleiner und werden nur unmerklich langsamer.
Mit derart viel und beständigem Wind, aber auch mit soviel Strömung,
haben wir nicht gerechnet.
Wir schaffen es bis auf 5 Kts runterzukommen, doch langsamer werden wir nicht.
Zwischendurch legen wir uns im Wechsel immer mal wieder für ein Stündchen
aufs Ohr, richtig schlafen kann man das nicht nennen, doch es reicht.
Kurz nach 4 Uhr, ich versuche gerade ein wenig zu schlafen und Thomas hat
Wache.
Das Starten der Maschinen weckt mich auf, was ist los?!
Ein Fischer macht sich da wohl einen Spass daraus, völlig blöd vor
uns hin und herzufahren, was uns zum Ausweichen zwingt.
Mich bringt das Ganze leicht durcheinander, denn gerade eben erst eingenickt
bin ich zum einen etwas benommen, zum Anderen ist das auch etwas beängstigend,
denn es wäre hier nicht das erste Fischerboot was keines ist.
Venezuela ist teilweise mit Vorsicht zu geniessen, denn auch hier weiss man
mitlerweile was Piraterie ist und es ist auch schon einiges vorgefallen.
Doch die ganze Aufregung war umsonst, es ist ein Fischer und von uns will
keiner was.
Noch eine gute Stunde und wir haben es geschafft.
Mit Sonnenaufgang laufen wir die Los Testigos an und entdecken auch schon
unsere Freunde, Julia´s!
Freudig winkend werden wir begrüsst und direkt hinter Julia lassen auch
wir erst mal den Anker fallen.
Ein ziemlich unruhiges Plätzchen, viel Schwell!
Für ein paar Stunden werden wir hier allerdings bleiben, denn nach einem
kleinen Frühstück müssen wir uns hier bei der Guarda di Costa
anmelden.
Erich fährt Thomas an Land, sodass wir hierfür nicht extra unser
Dingi klar machen müssen.
Sowie die Formalitäten also erledigt sind holen wir die Anker auf und
verholen an einen ruhigeren Platz.
Im Verbandsflug steuern wir die gegenüberliegende Insel an und ankern
dort in der Balandra Bay.
Bis wir unsere Segelabdeckung drauf haben und die Sonnenabdeckungen auf den
Fenstern sind haben wir auch schon beschlossen nochmal zu verholen, denn hier
ist auch etwas Schwell und wir liegen genau quer zur Welle was ziemlich ungemütlich
ist.
Wir ankern etwas mehr unter Land; hier sind wir richtig.
Heute passiert nicht mehr all zu viel. Ein wenig schwimmen ein wenig schlafen
und viel geniessen, denn dieser Anblick ist eine Augenweide im Vergleich zu
der dristen Umgebung in Chaguaramas wo wir doch viel Zeit zugebracht haben.
Völlig anders ist auch das Klima. Sicher ist es auch hier knallheiss,
doch eine wesentlich geringere Luftfeuchtigkeit, viel angenehmer.
Bei Julia´s zum Kaffee eingeladen wars das dann auch für heute;
Abendessen kochen und gut ist.
Dienstag und wir gehen an Land um einen kleinen, wenn auch leicht anstrengenden
Spaziergang auf eine Sanddüne zu machen.
Das Dingi an einem Bauch festgemacht stapfen wir los. Wie schwer und heiss
Sand doch sein kann.
Ich muss einige Stopps einlegen, ehe wir den Hügel geschafft haben. Puh,
ganz schön heftig, und dass bei der Hitze!
Zwischen ein paar Büschen und Sträuchern hindurch sehen wir schon
die andere Seite der Insel und einen gigantischen Sandstrand. Unterwegs begegnen
uns tatsächlich zwei kleine Ziegen.
Je näher wir an den Strand kommen desto deutlicher wird, was hier rumliegt:
tausende von Muscheln. Leider sind sie alle kaputt, haben Löcher.
Unglücklicherweise hat auch hier schon die heutige Zivilisation ihre
Spuren hinterlassen; Müll! Schade!
Ute, Erich und Julia sind auch schon da und inspizieren die Gegend.
Der Versuch im Sand ohne Schuhe zu gehen endet ganz schnell, da der Sand derart
heiss ist, das man fast das Tanzen anfängt.
Dann spazieren wir eben am Wasser entlang, ist eh schöner.
Eine eher unschöne Entdeckung macht Erich; eine tote Letherback Schildkröte
liegt in den Felsen am Strand.
Ein trauriger Anblick! Sie scheint schon lange hier zu liegen.
Für uns wird es Zeit den Rückweg anzutreten, denn die Sonne brennt
gnadenlos und es ist auch Zeit für einen kleinen Mittagssnack.
Zurück an Bord gibt es also einen Happen zu Essen, eine kleine Abkühlung
im Wasser und dann wird noch Wasser gekocht.
So sag ich immer, wenn Thomas den Wassermacher anschmeisst, was mittlerweile
fast täglich passiert, da wir dieses Wasser nun auch als Trinkwasser
verwenden.
Das spart viel Ballast, und was wir als Mineralwasser kennen, das ist in diesen
Gegenden sowieso nicht mehr zu bekommen.
Selbstverständlich kann man normales, stilles Wasser hier kaufen, doch
weiss man dann wo es her kommt? Weiss man nicht, also selbstgemacht, da weiss
man was man hat!
Mit einem kleinen Sundowner geht dann auch dieser Tag nicht all zu spät
zu Ende.
Am Mittwoch gibt es auch was Selbstgemachtes: Brot!
Endlich mal wieder ein dunkles Körnerbrot. Wir können dieses ewige
(ungesunde) knatschige Weissbrot nicht mehr sehen.
Nach wie vor haben wir gutes slowenisches Mehl an Bord, Körner aus der
Steiermark und Sauerteigpulver.
Das schön gemischt mit etwas Gewürz verfeinert gibt es tolles Brot.
Keine Panik, wir werden hier jetzt nicht anfangen hier auch noch Brotrezepte
zu veröffentlichen.
Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, es gab schon vergangene Woche kein
Rezept und das wird auch diese Woche so sein.
Manche Dinge ändern sich eben, so auch bspw. das Logbuch.
Was sich wohl nie ändern wird, ist wie schön doch die Unterwasserwelt
ist.
Am Nachmittag gehen wir ausgiebig zum Schnorcheln und es gibt doch einiges
zu sehen.
Leider auch Lebewesen die wir nicht so mögen, Quallen. Die Strömung
spült unzählige davon in die Bucht hinein und durch diese Tiere
hindurch zu schwimmen ist nicht wirklich ein Vergnügen. An machen Stellen
können wir durch die vielen Viehcher kaum etwas sehen. Doch als Thomas
dann auch noch von so einem Teil angenesselt wird reicht es und wir schwimmen
zurück zum Schiff.
Kurz darauf fahren wir nochmal an eine Stelle zurück, an der ich glaubte
ein paar schöne Muscheln gesehen zu haben.
Zum Einen lagen sie doch tiefer als ich annahm, was ich beim raufholen feststellte,
und zum Anderen sahen sie aus der Ferne viel besser aus als aus der Nähe.
2 Schöne habe ich dennoch behalten, besser als nix!
Fast hätte ich es vergessen, es gibt heute noch was sebstgemachtes: Schmunzelwasser!
Thomas gibt seine Mixkünste wieder zum Besten und zaubert ein geniales
Smily Water.
Und da ein guter Drink in netter Gesellschaft noch besser schmeckt sind Julia´s
hierzu eingeladen.
So verbringen wir den Abend zusammen an Bord von SILVER BLUE.
Für mich und Thomas gibt es vor dem zu Bett gehen allerdings noch ´ne
Kleinigkeit zu tun, wir müssen neu ankern.
Durch das ständige drehen hält der Anker nicht mehr richtig und
wir slippen ein wenig.
Wir ankern also neu, was schnell erledigt ist, und Gute Nacht.
Donnerstag und Zeit sich mehr von den Los Testigos anzusehen.
Kurz vor Mittag holen wir den Anker auf und fahren zu Isla Conejo, nordöstlich
von Testigo Grande gelegen.
Auf der kurzen Strecke, nur 3 Meilen, haben wir zwar die Angel draussen, doch
erfolglos; kein Fisch beisst an.
| Jetzt wo wir auf der anderen Seite von Testigo Grande sind,
ist auch die Sanddüne in ihrer ganzen Pracht und Größe
zu erkennen.Nach nur einer Stunde ankern wir vor Isla Conejo. Ursprünglich
wollten wir hier ein wenig tauchen gehen, doch es scheint hier ziemlich
viel Strömung zu haben und es sieht auch nicht so aus, als ob es
viel zu sehen gäbe. so begnügen wir uns mit einer kleiner Schnorchelrunde. Eben noch schnell eine kleine Leckerei für den Kaffeeklatsch gebacken, dann holen wir auch schon wieder den Anker auf und machen uns auf den Weg zum nächsten Ziel. Die Norwestküste von Testigo Grande, Playa Real. |
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Bis dorthin sind es gerade mal 6 Meilen. Wir versuchen unser Anglerglück
noch einmal doch es hat nicht sollen sein. Doch wir können fast die ganze
Strecke über segeln und werden bei der Ansteuerung auf Playa Real mit
einem genialen Anblick belohnt.
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Wenn es hier auch ziemlich voll ist, so finden wir doch einen sehr schönen
Platz und Ankern ziemlich nahe am Strand.
Nachdem dann auch Julia´s hier angekommen sind und geankert haben machen
wir unseren Kaffeeklatsch und abschliessend fahren auf eine Runde Boccia an
den Strand.
Thomas und Erich spielen gegen Ute und mich.
Doch, kein leichtes Spiel für die Männer, wir Mädels gewinnen.
Das schreit förmlich nach Revanche, doch diese wird erst morgen stattfinden.
Wir bestaunen noch fasziniert den Sonnenuntergang und dann geht auch schon
wieder zurück auf unsere Schiffe.
Nachts gibt es den ersten Regenschauer seit wir hier sind. Die Luken schnell
zugemacht stört das allerdings nicht.
Es ist Freitag der 13.
Aber, aber wer wird denn da gleich abergläubig sein wollen. Dinge die
passieren müssen die passieren, dafür braucht es keinen Freitag
den 13.
| Dennoch ist heute ein kleiner Premierentag. Während unserer gesamten
Reise schlummerte nämlich ein Schwimmsessel wohl verstaut auf wartet
auf seinen Einsatz. Heute ist es soweit, heute soll es geschehen! Thomas bastelt noch was an den Blasebalg damit dieser auf die Ventile passt und los geht es, kräftig pumpen und da steht er dann, blau - weiss gestreift, mit Getränkehalter, in den würde ein Smily Water ganz gut passen, doch dafür ist es eindeutig zu früh. So präparieren wir einen Tampen und ich mache mich mal aufs baden gehen gefasst, denn Thomas zieht mich mit dem Dingi durch die Bucht. Eine Gaudi ist das, ich kann mich vor lachen kaum noch halten. Haltung bewahren ist etwas kritisch, denn dieses Teil verzeiht keine falsche Bewegung. |
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Direkt vor dem Strand ist die Fahrt dann zu Ende und ich lasse mich einfach
treiben; was auch mal schön ist!
Und da wir praktisch direkt vor dem offenen Meer liegen, nur durch eine kleine
Sandbank davon getrennt, treibt mich die Strömung wieder in Richtung
Schiff.
Es hat lange gedauert bis dieser Sessel ins Wasser kam und jetzt hat es tatsächlich
noch geklappt.
Sicher, eine totale Spielerei, doch man muss auch mal rumalbern können.
Apropos spielen, die Revanche im Boccia steht an, und es geht nicht nur um
den Sieg, nein, es geht um mehr.
Wir spielen aus, wer am Samstag Abend das Abendessen zubereitet.
Zuvor ist aber mal wieder Kaffeeklatsch angesagt, und heute hat Ute einen
leckeren Kirschkuchen gebacken und somit sind wir für das große
Boccia Finale gestärkt und machen uns kurze Zeit später auf den
Weg an den Strand.
Zunächst erspielen sich die Männer erstmal den Ausgleich, und dann,
ja dann gewinnen sie doch noch.
Tja, dann kochen also Ute und ich morgen Abend.
Heute sind wir zwar mit der Kamera bewaffnet um ein paar schöne Aufnahmen
vom Sonnenuntergang zu machen, doch heute spielt sich das ziemlich unspektakulär
ab, also gibt es keine Bilder.
Wir fahren noch auf ein Bier zu uns und das soll es dann auch gewesen sein.
Samstag der 14. September und für uns der letzte Tag hier, denn wir wollen
morgen weiter nach Isla Margarita.
Eigentlich wollten wir das Abendessen ja am Strand machen, gegrillter Fisch
stand auf dem Wunschzettel.
Doch da gibt es zwei kritische Faktoren: 1. (noch) keinen Fisch, 2. keinen
Rost zum Grillen.
Das mit dem Grillen und dem Rost, das erledigt das Wetter, denn es regnet
immer wieder.
Was den Fisch anbelangt heisst die Rettung Julio, ein junger Fischer aus Margarita
der hier auf einem Fischerboot lebt.
Er bringt Julia´s drei schöne Fische, nicht all zu groß,
doch mit ein paar schönen Beilagen werden wir sicher satt werden.
Bevor es Zeit ist zu kochen, will jedoch der Staubsauger mal wieder ausgeführt
werden und der Putzlappen wird auch geschwungen.
Noch ein kleiner Sprung ins Wasser, dann machen auch wir uns fein für
den Abend und ich bringe noch ein wenig Zeit in der Pantry zu.
Um 19 Uhr gibt es dann Abendessen.
Ein feines Essen, dazu ein guter Wein und als Neiger ein von Ute´s Papa
selbstgebranter Apfelschnaps
aus der Heimat. Ein gelungener Abend.
So sitzen wir noch ein paar Stündchen beisammen, ehe es Zeit ist Gute
Nacht und auf Wiedersehen zu sagen, denn morgen in der Früh holen wir
den Anker auf und steuern Margarita an.
Die Fahrt dorthin, das Wiedersehen mit unseren Freunden und wie es weitergeht
...
... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long
Diana + Thomas







