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KW 41 2002

29.09.- 05.10.2002

Es ist Sonntag, ein Tag um an den Strand gehen. Am Sonntag kommen viele Venezuelaner auch aus Caracas auf die Isla Margarita herüber. Der Strand ist dann voller Leben und eine Bude neben der anderen mit heimischen Spezialitäten. Unter anderem mit frischen Austern, das Dutzend für umgerechnet 1 Euro, da kann ich doch nicht wiederstehen und schlürfe ein paar davon.
Der Anfang der Woche bringt eigentlich nicht viel Neuigkeiten, ich organisiere die Herstellung einer Halterung für einen Windgenerator, den Silver Blue nun doch noch bekommen soll, um noch unabhängiger zu werden. Silver Blue ist schon recht autark, kann Strom produzieren, Trinkwasser aus Seewasser machen, Regenwasser sammeln, ..... das alles bedarf nur ein wenig Pflege und so vergehen die ersten Tage der Woche.
Am Mittwoch heisst es früh zu Bett gehen, den am Donnerstag früh startet mein zweitägiger Ausflug ans Festland, zum Orinoco-Delta und zu den Angel-Falls.
Der Tag beginnt nach einem kurzen Frühstück damit, meinen Bootsnachbarn Franc, von dem holländischen Katamaran Silver, aus der Koje zu zerren. Franc ist so freundlich, 2 Tage ein Auge auf Silver Blue zu haben und bringt mich ausserdem um 6 Uhr an Land, so kann ich mein Dinghy in den Davits lassen, da ist es doch sicherer aufgehoben.
Hier am Steg erwartet mich bereits Bernado für den Transfer zum Flughafen. Bernado bietet als Agent verschiedene Ausflüge und übernimmt hier auf der Insel die Transporte. Schon einmal vorweg gesagt, dieser Ausflug war wirklich perfekt. Am Flughafen treffe ich auf den Rest der Gruppe, insgesamt 18 Personen, Spanier, Engländer und dem Reiseleter Peter, der uns diese zwei Tage begleiten wird. Ein freundlicher, unaufdinglicher Reiseleiter, der sein Land liebt und übrigens auch sehr gut deutsch spricht.
Wir besteigen am Flughafen eine achtzehnsitzige Propellermaschine und fliegen in 1 1/2 Stunden ins Orinoca-Delta nach Tucupita, ein kleiner Flughafen und alles herrlich unkompliziert. Keine Kontrollen, wir gehen einfach 5 Minuten zu Fuss an den Cano Manamo, einem Seitenarm des Orinoco, und steigen hier in ein "penero", ein offenes Holzboot mit grossen Aussenbordmotoren. Das 40.000 km² grosse Orinoco-Delta verzweigt sich von seiner Mündung in 40 Haupt- (canos) und mehr als 300 Seitenarme (brazos).
In einer rasanten Fahrt geht es zwei Stunden flussabwärts. Auf dem Fluss schwimmen viele kleine Pflanzeninseln, die in voller Fahrt umfahren werden, so wird`s doch eine recht spassige Schlangenlinienfahrt. Unterwegs sehen wir in den Bäumen Brüllaffen, die aber im Gegensatz zu Trindad nicht bei Sonnenauf-oder Untergang brüllen, sondern bei Ebbe und Flut. Und wenn die Affen brüllen, gehen hier die Einheimischen fischen. Die Einheimischen, die hier im Orinoco-Delta leben, sind Warao-Indianer (wörtlich übersetzt "Menschen von den Kanus"). Die Menschen am Fluss leben in der Nähe des Fluhafens noch in festen Häusern, die zum Teil auch noch mit Stromanschluss. Je weiter man flussabwärts kommt ändert sich die Wohnweise, bis letztendlich noch in den ursprünglich offenen Pfahlbauten gewohnt wird.

   Aber eins haben alle Indios gemein, ihre Freundlichkeit. Auf der ganzen Fahrt auf dem Fluss wird freudig von ihnen gewunken.
Nach zwei Stunden erreichen wir mitten im Urwald das Camp Mispalafitos. Wirklich toll, die Zimmer sind offene Pfahlhütten, die nur durch Moskitonetze verschlossen sind. Aber mit Dusche und sehr sauber und sehr schön. Als Beleuchtung gibt es Kerzen, wirklich gemütlich.
Hier stärken wir uns mit einem Lunch, allerdings unternehmen wir vorher noch eine kleine Paddeltour mit Indianaerkanus. So erkunden wir die nähere Umgebung auf eine recht wackelige Art und Weise, aber nahezu lautlos. Da kann man richtig die Stimmen des Urwalds geniessen.
Nach dem Lunch, den wir uns nun wirklich verdient haben, gibt`s erstmal eine kleine Siesta.
Um 15 Uhr soll`s weitergehen, ich nutze die Zeit mich ein wenig im Camp umzusehen. Ich staune nicht schlecht, was hier alles so frei als "Haustier" herumfleucht. Verschiedene Papagein, die sich in Pose werfen, ein Ozelot und ein wirklich interessantes Tier, das niedliche Piepslaute von sich gibt.
Ein Kapibati, eine Art Wasserschwein, das von Gummistiefeln ganz angetan zu sein scheint.
Eben diese Gummistiefel benötigen wir jetzt für unsere Dschungel-Tour. Ein Stück wieder mit dem Boot gefahren, die einzige Möglichkeit sich hier fortzubewegen und dann ein Stück zu Fuss durch den Urwald, allerdings teilweise bis zu den Knien im Schlamm.
  
   Nach einem erfrischenden Schluck aus einer Art Liane, die Wasser speichert fahren wir dann doch lieber mit dem Boot weiter um eine Indianersiedlung zu besuchen. Die besteht aus drei offene Pfahlbauten mit Hängematten (statt Bett) und jeder Menge liebenswerten Indios.

Der Tag neigt sich langsam dem Ende, im Licht der untergehende Sonne lassen wir uns auf dem breiten Strom treiben und gekommen einen Cuba-Libre kredenzt. ( Bild Abendstimmung am Orinoco 110 )
Eine unbeschreiblich Stimmung, so schön, so friedlich, hier muss ich nochmal wiederkommen, aber dann mit Silver Blue.
Mitten auf dem Fluss kommt auch noch eine Indio-Familie im Kanu vorbei, um Hallo zu sagen und um einige handgefertige Sachen anzubieten, und das auf sehr angenehme Art und Weise.

So, nun aber schnell zurück ins Camp, es ist schon fast dunkel. Mit voller Kraft der beiden Aussenbordmotoren geht`s pfeilschnell über Wasser und um die bereits erwähnte Pflanzeninseln herum.......ist wohl doch schon zu dunkel, jedenfalls rauschen wir mit voller Fahrt in eine dieser Pflanzeninseln hinein.
Na ja, ausser das wir ein wenig Grünzeug gehäckselt haben und das ein wenig aus der Schraube vom Bootsführer entfernt werden muss, ist nichts passiert.
  

Nach einem leckeren Abendessen im Camp, unternehmen wir sogar mit dem Boot noch eine kurze Nachtfahrt. Nachts kommen andere Tiere heraus, ausserdem mitten im Urwald,auf einem Fluss, nur beleuchtet von Sternenschein,das ist schon ein besonderes Gefühl. Und da raschelt auch schon im Gebüsch, ein Stachelschwein zeigt sich. Viele Geräusche zeugen noch von vielen anderen Tieren, aber die bekommen wir nicht zu Gesicht. So macht sich unsere Gruppe dann doch auf den Weg zurück ins Camp, war doch ein langer, erlebnisreicher Tag ..... Gute Nacht !

   Am folgenden Morgen werde ich von zwei Äffchen geweckt, die auf dem Dach meiner Hütte rumtollen. 5.30Uhr, perfekt, um 6 Uhr gibt es Frühstück. Vielleicht eine Art Urwaldwecker? Um 06.30 sitzen wir schon wieder im Boot, zurück zum Flughafen.
Nach zwei Stunden Fahrt durch die Morgensonne besteigen wir in Tucupita wieder die Propellermaschine. Nach einer kurzen Zwischenlandung zum auftanken in Ciadad Guayana fliegen wir weiter in Gran Sabana, einer Gegend mit beeindruckenden Tafelbergen. Von einen dieser Tafelberge, dem Auyan-Tepuy, fällt der Salto Angel, mit 1005m freier Fallhöhe der höchste Wasserfall der Welt.
Die beiden Piloten geben ihr bestes, um allen einen guten Blick auf dieses Naturwunder zu bieten. Von allen Seiten geht`s an, über und um den Berg, rauf und runter .... was dann doch einer Dame aus unserer Gruppe dazu veranlasst, sich nochmal das Frühstück durch den Kopf gehen zu lassen.
Na, bei der Landung im nahe gelegenen Nationalpark Canaima geht`s ihr schon wieder besser.
Hier stürzt der Urwalfluss Riò Carrao über sieben nebeneinander liegenden Katarakte etwa 20 m in die Tiefe und bildet eine grosse Lagune.
Wir überqueren die Lagune mit einem Boot und erreichen nach 20 Minuten Fussmarsch auf der andere Seite die Waserfälle Salti El Sapo und El Sapito, am Ostufer des Riò Carrao. Das besondere daran- hinter dem Salti El Sapo kann man durchlaufen, ein besonders erfrischendes Erlebnis. Die Wassermassen tosen nur so neben einem herunter ..
Zurück im Camp nahe der Landepiste gibt es venezuelanisches Grillhähnchen als Lunch. Ein leckerer Abschluss dieser wirklich tollen Tour. 2 Stunden dauert der Rückflug zur Isla Margarita, hier wartet bereits die Frau von Bernado um mich zurück zum Ankerplatz zu bringen.
  

Und da wartet schon Franc, mein Bootsnachbar, mit einem kühlen Polar (heimisches Bier) zur Begrüssung.
Der Samstag vergeht dann mit etwas relaxen, ein wenig einkaufen und ein paar Gesprächen über diese schönen Tage.......
........und was die neue Woche bringt
könnt ihr wieder hier lesen, wenn ihr mögt

bis dahin alles Gute

TOM