Rund ums SchiffAround the world tourLogbuchBildgalerieKontakt
Logbuch

Archiv

KW 45 2002

27.10. - 02.11.2002

Es war doch eine recht unruhige Nacht zum Sonntag. Silver Blue liegt nach wie vor geschützt vorm Strand. Allerdings hat in der Nacht ein gewaltiger seitlicher Schwell eingesetzt, der Silver Blue doch ziemlich schaukeln lässt. Noch mehr geschaukelt hat wohl die Yacht "Julia". Ein Einrümpfer wackelt halt ein wenig mehr, sie haben die ganze Nacht kein Auge zugetan, und so fahren sie bereits um 10.00h in der früh ziemlich entnervt an mir vorbei, auf der Suche nach einem ruhigeren Platz.
Ich folge ihnen ein wenig später und beide finden wir einen herrlichen Platz in smaragdklaren Wasser in der "Americano Bay"
  
   Diesen Namen bekam die Bucht durch einen Amerikaner, der hier ein kleines Restaurant eröffnete, das ist allerdings seit vielen Jahren wieder verlassen.
So sind die einzigen Bewohner herrliche bunte Fische im klaren Wasser, toll anzuschauende Seevögel und neugierige Krebse von beachtlicher Grösse.

Der Sonntag endet gemütlich mit einigen kühlen Polar`s im Cockpit von "Julia".

Am Montag wollten wir hier eigentlich ein wenig tauchen, das war wohl nichts. Auch hier steht am Montag der Schwell hinein und da die Bucht recht eng ist und seitlich von Felsen umgeben ist, ist es in kürzester Zeit hier wie in einer Waschmaschine. Also nichts wie raus hier und einen neuen Platz suchen. "Julia" tuckert vor mir her und bleibt auf einmal stehen. Ein Hydraulikschlauch vom Getriebe ist geplatzt, es geht nicht mehr vor und zurück. Ich manöveriere Silver Blue nah an sie heran, Erich wirft mir eine Leine rüber und dann schleppe ich sie in eine andere schöne Bucht. Unsere Anker fallen und Erich macht sich natürlich sofort an die Reperatur und nach einigen Stunden ist alles wieder im Lot.

Der Ankerplatz hier ist schön geschützt und der Strand herrlich. (Bild rechts)
Am Strand sind sind auch einige unbewohnte Fischercamps, bei einem finde ich eine Feuerstelle mit Rost und Holz ist auch schon da. Da grill ich mir doch die leckeren Würstchen, die ich in Margarita erstande habe. Hmmmh, das schmeckt, auch wenn es ab und zu zwischen den Zähnen knirscht........
Das Lagerfeuer scheint Erich animiert zu haben, er macht am folgenden Tag den Vorschlag ein paar Fische zu fangen, die wir dann gemeinsam am Strand grillen könnten. Na schauen wir mal ob das was wird, am Nachmittag ist noch nichts im Netz, das Erich in der Bucht ausgelegt hat.


  

Die Costguard, die vorbeikommt lacht auch schon drüber. Die Jungs steuern zielstrebig Silver Blue an, hat ihnen wohl letztes mal gut gefallen hier. Sie fragen nach Wasser für den Hund, den sie dabei haben. Auch selber nehmen sie gerne ein kühles Wässerchen und bleiben so fast eine Stunde auf ein Schwätzchen.

Und siehe da, als sich die Jungs mit freundlichen Händeschütteln verabschiedet haben, kommt schon Erich vorbei und teilt stolz mit, dass er acht Fische gefangen hat. Super! Er geht die Fische vorbereiten und ich backe noch schnell ein Brot dazu. Ich habe in Margarita ein Mehl entdeckt, in dem ist die Hefe schon drin. Es nennt sich Leudante und mit ein wenig Wasser, Salz und Öl lässt sich schnell und einfach in der Pfanne ein sehr leckeres Fladenbrot herstellen.
Dazu spendiere ich noch eine kühle Flasche Pinot Griego und so wird es ein richtiger Abschiedsschmaus am Strand.
Um 08.00 Uhr am Donnerstag lichte ich den Anker mit Ziel Westküste Margarita. Noch ganz in der Nähe von Blanquilla mache ich im Wasser eine Föntäne aus, als ich mit dem Fernglas genauer schaue, entdecke ich einen riesigen Wal. Als ich näher komme (er scheint auf mich zu warten) bin ich mir nicht mehr so sicher, was ich jetzt recht nah vor mir habe. Es ist ca 8 - 10 Meter lang, schwarz und hat eine Rückenflosse und eine Kopfform wie ein Hai aber ein Atemloch wie ein Wal. Ein Killerwal? Es schaut mich jedenfalls noch ein wenig neugierig an und taucht dann langsam ab. Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, das mich sogar das fotografieren vergessen lassen hat.
Der Tag scheint nicht mit Erlebnissen sparen zu wollen, nur zwei Stunden später kreuzt wieder ein grosser Frachter den Weg von Silver Blue. Es ist schon komisch, wie auf dem Hinweg begegnet mir nur 1 Schiff, und wieder sind wir auf Kollisionskurs. Ich segle sehr hoch am Wind und möchte auch nicht abfallen, um den Frachter vor dem Bug zu passieren. Das ist doch zu gefährlich und so denke ich daran, Silver Blue ein wenig in den Wind zu stellen um den Frachter passieren zu lassen, obwohl ich absolutes Wegerecht habe. Aber da ändert der Frachter bereits deutlich seinen Kurs nach Steuerbord und passiert mich am Heck. Sehr aufmerksam und vorbildlich. Ich bedanke mich höflich und wir ziehen unseres Weges.
Und der Weg ist heute wirklich wieder schnell, die 60 Seemeilen sind in 7 Stunden abgespult, da kommt doch Freude auf. Bereits am frühen Nachmiitag fällt so der Anker an der Westküste von Margarita, vor dem Ort Robledal. Mit dem Dinghy gehts schnell an den Strand, ein wenig frisches Brot kaufen. Der Ort ist sehr ursprünglich, keine touristischen Einrichtungen und die Menschen sind sehr freundlichen. Aber nicht alle! So endet dieser eigentlich schöne Tag nach dem Abendessen im einzigen und sehr einfachen Restaurant mit einer bösen Überraschung. Der Aussenborder ist weg. Er war natürlich angeschlossen, aber er wurde offensichtlich ohne Werkzeug mit einem Stein vom Dinghy geschlagen. Viele Einheimische stehen mir mit schlauen Tips und Vermutungen zur Seite, aber auch das Einschalten der Guardia National hilft nicht wirklich weiter. So paddel ich dann doch ein wenig frustriert zurück zu Silver Blue, na wenigstens haben sie mir ja das Dinghy gelassen. Ein weiteren Funkkontakt mit der Guardia National am Morgen bringt auch keine weitere Aufklärung.

Vielleicht sollte ich aber sagen, das es mir aber noch relativ gut ergangen ist. Ich unterhalte mich am Morgen mit meinem Schiffnachbarn, der "Spirit of Sindbad" ( wir sind die einzigen hier ). Die sieht irgendwie recht ramponiert aus, hat ein Notrigg gesetzt und eine gewaltig Beule im Rumpf. ( Bild Bla-Mar 083 ) Dem wurde ebenfalls der Aussenborder hier am Strand gestohlen, allerdings als er ein Crewmitglied schwer verletzt an Land und dann ins Hospital gebracht hat. Sein Schiff wurde nämlich 100 Seemeilen entfernt von einen koreanischem Fischtrawler gerammt, und das offensichtlich mit Absicht, da der das Gas auch nach der Kollision nicht zurück nahm, sondern die "Spirit of Sindbad" auch noch umdrehte.   

Dabei wurde das Rigg schwer beschädigt, die gesamte Inneneinrichtung und Elektronik zerstört und eben ein Crewmitglied schwer verletzt. Das ist bereits das zweite Mal, das ich von solch einem Fall höre. Bereits in Trinidad war ein Katamaran, der vor Französisch-Guyana von einem koreanischen Fischtrawler mit dem Fanggeschirr entmastet wurde. Hoffentlich wird dem durchgeknallten Koreaner bald das Handwerk gelegt.
Ich frage den Skipper der "Spirit of Sindbad" noch, ob ich etwas für ihn tun kann, da er ja jetzt noch hier bleiben muss, sagt er nur, eine Flasche Rum wäre fein.
Die bekommt er natürlich von mir und am Mittag mache ich mich auf nach Boca del Rio, das liegt malerisch vor einer grossen Mangroven-Lagune.

   Ein schön anzuschauender Ort mit farbenfrohen Häusern, vielen kleinen Geschäften und einem guten Fischrestaurant, das laut nach mir ruft. Dem kann ich natürlich nicht wiederstehen.
Tja, und am Samstag früh geht es zurück nach Porlarmar dessen Skyline ( hier steht wirklich ein Hochhaus neben dem anderen ) mich am Mittag empfängt.
Jetzt heisst es ein wenig aufklaren, den neuesten Tratsch mit der doch zahlreich vertretenen Seglergemeinde ( ich zähle 70 Schiffe ) austauschen und ein wenig relaxen, denn der Samstagabend ist noch lang................

.... und was dann so ab Sonntag passiert ist könnt ihr in einer Woche wieder hier lesen, wenn ihr möchtet.

Bis dahin alles Gute

TOM