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KW 48 2002

17.11. - 24.11.2002

Der Sonntag sollte eigentlich ein ganz gemütlicher Tag werden, aber nach dem ausgiebigen Frühstück heisst es arbeiten. Bei der Einfahrt in die Bucht gestern,direkt zwischen den Riffen ( ein äusserst günstiger Zeitpunkt ) hat die Backbord-Maschine den Geist aufgegeben. Sie war überhitzt, ich musste sie abschalten. Da auch die Lichtmaschine schon ein wenig gesponnen hat, ist das Problem ziemlich klar. Also rein in den Blaumann ( den lass ich lieber weg, ist viel zu heiss ) und ran ans Werk. Das Problem ist, wie erwartet, schnell gefunden, der Keilriemen, der die Lichtmaschine und den Süsswasserkühlkreislauf antreibt, hat sich in seine Bestandteile aufgelöst. Ich habe ja einen Ersatz dabei, aber der Keilriemen ist hinter der Maschine zu montieren. So wird das ganze eine schweisstreibende Arbeit und nach einer Stunde sehe ich aus wie eine Wutz.
Macht ja nichts, die Maschine schnurrt wieder, und ich hupfe ins klare, warme Wasser um den Dreck wieder los zu werden.
So, und am Nachmittag noch ein wenig an den Strand und das war`s dann auch schon für heute.
Der Montag und Dienstag vergehen mit diversen Arbeiten am Schiff ( genauso wie eine Frau braucht Silver Blue viel Aufmerksamkeit und Pflege ), Strandspaziergängen und Besuchen der Hauptinseln. Die erledige ich allerdings jetzt mit dem neuen Dinghy, mit dem geht es pfeilschnell durch die Wellen, ohne klitschnass zu werden. Am Dienstagabend sondiere ich das Ziel für den kommenden Tag und übertrage noch ein paar e-mails. Der Anschluss dafür ist in einer der Kabinen unten und dort höre ich durch die geöffneten Lucken immer lauter werdene Stimmen. Das kommt mir irgendwie komisch vor, also gehe ich an Deck, um nachzusehen. Was ich dort sehe, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

Eine riesige Motoryacht treibt direkt auf Silver Blue zu. Am Heck sitzen 3 Damen, die sich unterhalten, und die merken .... nichts!!! Ich mache sie darauf aufmerksam, dass doch wohl ihr Anker nicht hält, darauf hin laufen sie kollektiv nach vorne zum Anker, um kurz darauf zurückzukehren um mir zu erklären, das der Captain nicht an Bord ist und sie nichts machen können. Ich fordere sie auf, wenigstens einige ihrer riesigen Fender, die dekorativ an Deck verteilt sind, dazwischenzuhalten. Auch das löst leider nur grosse Augen und offene Münder aus. Glücklicherweise kehrt in diesem Moment der Captain zurück und ein Nachbar nutzt sein Dinghy als Fender. Die Motoryacht hängt mir jetzt nämlich schon quer vorm Bug, nur der Hahnepot ( ein Seil, dass die Kette entlastet und von Bug zu Bug gespannt ist ) verhindert erste Berührungen. Der Captain der Motoryacht hat mittlerweile die Maschinen gestartet und als wir ein wenig auseinanderdriften, deute ich ihm, das er jetzt Abstand nehmen kann.
Puh - das ist grade nochmal gut gegangen. Dabei ist ist es doch meist so friedlich hier am Abend .....
  
   Also nichts wie los am folgenden Morgen, gemütlich nur mit der Fock vor dem Wind geht`s mit 6 Knoten zur Insel Sarqui. Die erreiche ich bereits nach 3 Stunden und finde einen einmalig schönen Ankerplatz ... Eingerahmt von einem langgestreckten Riff, neben dem Silver Blue direkt ankert, und einem herrlichen Sandstrand bietet dieser Platz perfekten Schutz.
Direkt am Schiff tummeln sich abertausende von kleinsten Fischen, was eine Schule von jungen Gelbflossen-Thunfischen zu wahren Treibjagden animiert. Dieses beeindruckende Schauspiel wiederholt sich mehrmals am Tag.

Tags darauf eine positive Überraschung, die 2 anderen Yachten, die mit mir hier geankert hatten, sind verschwunden. Der Platz auf Sand zu ankern war damit mit auch ausgefüllt, den ausser Riff und Strand begrenzen ausgedehnte Korallenbänke ( auf denen man natürlich nicht ankert ) diesen wirklich besonderen Ankerplatz. Den habe ich nun für mich ganz allein, und erkundige ersteinmal ausgiebig die Unterwasserwelt.

Direkt vom Schiff aus gelange ich eine Wunderwelt von Farben und Formen. Ganz besonders fasziniert mich ein gigantischer Drückerfisch, hab ich in dieser Grösse noch nie irgendwo gesehen.
Auch den darauffolgenden Tag verbringe ich auch im Wasser, diesmal allerdings um das Unterwasserschiff und den Wasserpass zu reinigen. Dabei werde ich ständig von 5 Kofferfischen beobachtet, die mich trotz der ätzigen Arbeit, mit ihren lustigen Schwimmbewegungen immer wieder zum lachen bringen.
Als ich dann wieder im Trockenem bin, sprich an Bord, bekomm ich noch Besuch. Siehe da, auch ein Pelikan mag Silver Blue recht gern.
  
   Mittlerweile ist wieder Samstag, die Motorbootarmada aus Caracas ist auch schon wieder angerückt, so mache ich mich nach einem herrlichen Sonnenaufgang auf zurück zur Hauptinsel Gran Roque. Vielleicht ist ja hier am Samstagabend ein wenig was los. Der Ort besteht aus einer Ansammlung von farbenfrohen Häusern, meinen Favorit ist .............. (siehe links)
Los ist sonst garnichts, völlig abgehobene Preise in den Restaurants und als ich beschliesse, den Abend zu beenden, wieder mal eine böse Überrachung. Im Dinghy ( scheinbar ein beliebtes Objekt, um irgendwas zu stehlen ) fehlt diesmal die Benzinleitung vom Tank zum Motor. Es ist zum..............., ich rudere mal wieder zurück zum Schiff, die Stimmung ist auf dem Nullpunkt.

An Bord gibt es erst einmal zur Beruhigung einen guten slowenischen Obstler, morgen wird mir schon was einfallen. Meine Ideen am Sonntag tragen auch Früchte, nach einigen Gesprächen erstehe ich "unter der Hand" eine "andere Benzinleitung" für US$ 25,-, na wenigstens bin ich jetzt wieder mobil. Noch schnell zur Costguard, mittlerweile ist schon Nachmittag, das ganze nochmal diskutieren und das ZARPE, die Ausreisegenehmigung, abholen. Hier mag ich auch nicht mehr bleiben, also fahre ich noch zu der 6 Meilen entfernten Insel Crasqui und der Sonntagabend vergeht damit, diese Zeilen zu schreiben.

Morgen früh geht es weiter Richtung Los Aves und Bonaire, natürlich nicht ohne noch die ein oder andere Bucht in den "Roques" zu besuchen.
All das könnt ihr wieder lesen in der kommenden Woche, wenn ihr mögt.

Bis dahin alles gute, und noch etwas "in eigener Sache". Angeblich lesen ca. 8000 Personen regelmässig dieses Logbuch, über das eine oder andere "feedback" an KatSilverBlue@les-raisting.de würde ich mich schon freuen, aber bitte nur Text ( keine Bilder vom Hund oder sonstigen Unsinn ! )

TOM