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KW49 2001

09.12.2001 - 15.12.2001

Es ist Sonntag der 09.12. , der 2. Advent und wir befinden uns selbstverständlich immer noch auf dem Atlantik.
Unsere aktuelle Position: 22° 14,10N / 025° 26,12W und außer uns ist hier weit und breit niemand unterwegs. Es ist 6 Uhr in der Früh und vor einer knappen Stunde haben wir das Segel gewechselt, da der Wind immer stärker zu nahm und für den Genaker war das einfach zu viel. So segeln wir jetzt mit der Fock, selbst die ist noch gerefft, und doch haben wir 5 Knoten Fahrt.
Langsam wird es hell, der Tag erwacht und das Wetter klart auch ein wenig auf.
Wach sind auch schon ein paar Meeresbewohner. Kurz nach 7 Uhr tauchen backbord zum ersten Mal Wale auf. Leider sind sie nur ganz kurz zu sehen, doch es waren sicherlich 8 Stück die da aus zu machen waren.
Der 2. Advent und das auf hoher See. Aus der Heimat erreichen uns Emails was die Weihnachtsbäckerei dieses Jahr so hergibt und wie kalt es dort ist.
Ein wenig Gebäck haben wir auch an Bord, denn Petra und Martin wurden von zu Hause verproviantiert was das anbelangt. So gibt es Spritzgebäck und Stollen von Martins Mama und von Martins Töchter gab es extra für den Papa Haselnussmakronen.
Ansonsten haben wir auf das typische Weihnachtsprozedere wohl weislich verzichtet, denn das passt dann doch nicht so ganz.
Ein kleines Accessoire gibt es, ein kleiner Anstecker in Form eines Weihnachtsmannes, und den trägt Petra an Tagen wie heute.
In unseren Vorräten befindet sich auch keine Weihnachtsgans oder etwas in der Art, denn bei uns kommt fangfrischer Fisch auf den Tisch! So auch heute, denn Thomas zieht schon am Vormittag eine richtig große Atlantikdorrade an Bord.

   Das wird auch der kulinarische Tipp für heute sein, überbackenes Fischfilet!
Wettertechnisch sieht es heute leider etwas dürftig aus. Den ganzen Tag über ist es ziemlich bedeckt und böig was natürlich etliche Segelwechsel mit sich bringt. Ich meine, nicht dass das lästig wäre, wir sind ja unterwegs um zu segeln, doch dieses Wetter bringt einen nicht wirklich voran. So kommt es das wir heute auch ein eher schlechtes Etmal haben, nur 84 sm. Ein Etmal bezeichnet die zurückgelegte Tagesdistanz ( 24 Stunden ).
Gegen Abend zieht sich über uns dann alles zu und die See wird zunehmend rauer. Es ist Mitternacht, wir haben bis zu 5 Windstärken und nach wie vor Böen. Seit 8 Stunden befinden wir uns mittlerweile in dieser Schlechtwetterfront.

Kurz vor 3 Uhr erreicht uns der eine oder andere Regenschauer und das GPS zeigt noch 1999sm bis Antigua.

Montag Morgen 6 Uhr und ich löse Petra von der „Hundewache" ab (von 3:00 - 6:00 Uhr). Kurze Zeit später werde ich zu meinem Dienstantritt auch nett begrüßt; Delphine tauchen auf. Wenn das so ist, könnte ich eigentlich mein Angelglück ja mal testen.
Also nichts wie rein mit dem Köder und schau mr´mal! Keine halbe Stunde und die Angel läuft aus. Ich kann jetzt schlecht „FISCH" rufen, denn es schlafen ja noch alle. Also kurble ich fleißig, doch irgendwie geht das verdammt schwer, fetter Fisch. Doch die Angel biegt sich derart, das ich befürchte sie könnte kaputt gehen und kurbeln geht auch nicht mehr. Hm, was mach ich denn jetzt?
Es hilft nichts, ich muss Thomas aus der Koje schmeißen. Ein einstündiger Kampf folgt. Zwei Mal war der Fisch an der Oberfläche zu sehen, scheint ganz schön groß zu sein! Es klingt langsam echt märchenhaft, doch auch dieser Fisch geht uns verloren, nicht nur vom Haken, nein, wieder knallt das Stahlvorfach durch und das bedeutet der Köder ist auch weg. Ja ist das denn die Möglichkeit, jetzt schwimmt der dumme Fisch auch mit ´nem Köder an der Backe im Atlantik rum. Zur Erinnerung, seit vergangener Woche schwimmt eine ebenfalls mit einem unserer Superduperköder gepiercte Dorrade im Atlantik.
Wenn auch das mit dem Angelglück nichts war, mit dem Wetter haben wir heute mehr Glück. Zuerst mit dem Genaker, dann mit dem Spinaker (Spi) geht es endlich wieder gut voran und unter dem Spi schaffen wir sogar teilweise 8 Knoten Fahrt. Heute wollen wir mit dem Spi in die Nacht fahren doch noch während des Abendessens kommen bis zu 25 Knoten Wind auf, was für dieses Segel leider zu viel ist. So setzen wir die Fock und segeln damit auch beständige 5 Knoten, was ganz gut ist.

Es ist kurz nach 2 Uhr in den frühen Morgenstunden des Dienstags als auf dem Radar ein Schiff zu sehen ist. Wie sich herausstellt handelt es sich um einen etwas größeren Frachter der uns jedoch in sicherem Abstand von ca. 10sm am Heck passiert.
Mittlerweile zeigt das GPS noch 1899sm bis Antigua, was auch bedeutet das wir bereits 880sm zurückgelegt haben.
Doch, es wird noch einige Sonnenauf- und Untergänge geben ehe wir wieder Land sehen. Zu sehen gibt es heute Nacht noch was ganz was anderes.
Es ist 04:00 Uhr als hinter uns am Horizont plötzlich, und nur für wenige Minuten, ein orange bis knallrotes Etwas erscheint. Dieses „Etwas" erleuchtet den Horizont richtiggehend. Die Form ist allerdings schwer zu beschreiben. 7 Minuten dauert das Spektakel dann kommt ein alter Bekannter zum Vorschein, und genau so hing er am Himmel, eigentlich in einer etwas ungewöhnlichen Position, doch wir befinden uns mittlerweile schon relativ nah am Äquator. Jetzt, wie ich es geschafft habe zu beschreiben wie der Mond erschien, ist es auch möglich dieses „Etwas" etwas zu beschreiben, denn es war wie ein Negativ dazu, als hätte er darin gelegen.

Tja, 3 ½ Stunden nach dieser Erscheinung geht die Sonne auf und wir setzen wieder den Spi und endlich ist ER da, der lang ersehnte Nord-Ost -Passat.
Beim setzen des Spinakers machen wir leider einen weniger schönen Fund. Ein fliegender Fisch hat sich verflogen und hat versucht es sich vorne im Netz gemütlich zu machen, was er leider nicht überlebt hat. Diese fliegenden Fische sind eigentlich ganz lustige Gesellen, die fliegen richtig übers Wasser und teilweise sogar ganz schön weit.
Wenn wir schon bei FISCH sind, Martin und ich haben heute je eine Dorrade geangelt! Wobei Martin, im Gegensatz zu mir, seine Fische mittlerweile selbst filetiert. Was Mann auf einem Segeltörn so alles lernt!
Bis zum Abend bleibt der Spi oben, dann kommt für die Nacht die Fock wieder zum Einsatz.
  

Die Entscheidung den Spinaker zu bergen war mal wieder die Richtige, denn die Nacht wird wieder etwas ungemütlich. Kurz nach 2 Uhr prasselt ein dicker Regenschauer auf uns nieder und Wind gibt es nicht mehr. Das heißt Fock rein und Maschinen an für eine knappe Stunde, dann gibt es wieder etwas Wind und der Schauer ist vorbei.
Mittlerweile zeigt das GPS wieder einen weiteren hunderter Schritt an, noch 1799sm! Es hat nicht sollen sein. Eine Stunde können wir segeln ehe der Wind fast komplett dreht und direkt von Vorne kommt und auch der nächste Regen nicht lange auf sich warten lässt. Ist echt ungemütlich. Diese Nachtwachen sind zeitweise eh nicht ganz ohne, wenn man so ganz alleine im Cockpit sitz und hinter einem diese meterhohen Wellen anrollen und sich dann brechen. Da kann einem schon ab und an ein wenig anders zu Mute werden.

Der Mittwoch ist mittlerweile unser 11. Tag auf dem Atlantik und was das Wetter anbelangt wohl auch der schlechteste. Schon morgens ist es total diesig, der Himmel bleibt den ganzen Tag über wolkenverhangen und es regnet immer wieder. Mal können wir segeln, mal müssen wir die Maschinen starten. Schön ist das nicht.

   Zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens backt Petra einen feinen Kuchen, was die Gemüter wieder ein wenig erheitert. Und um das Anglerherz noch ein wenig zu beglücken hängt sich bei Martin beim Einholen der Leine eine Dorrade an den Haken.
Dann dauert heute die Wache wieder etwas länger, denn wir befinden uns in einer anderen Zeitzone, mittlerweile 3 Stunden hinter der MEWZ und um kurz vor Mitternacht überfahren wir den 20. Breitengrad. Trotz dem nicht all zu schönen Wetter können wir die ganze Nacht über segeln und schaffen doch wieder ein paar Meilen.

Der neue Tag, es ist Donnerstag, bringt auch das langersehnte schöne Wetter.
28°C zeigt das Thermometer schon am Vormittag und einen anständigen Wind haben wir auch, was wollen wir mehr! Und so sieht es über uns aus:
Doch es gibt heute Verluste zu verzeichnen, Köder Nr. 4 ist flöten. Wenn das so weitergeht kommen wir in der Karibik an und haben keine Köder mehr in unserem Fundus.
Und wenn schon, dann muss man eben für Nachschub sorgen.
Nachschub gibt es heute auch für den Steuerbordtank, denn der verlangt nach ein wenig Diesel. Und das feine Wetterchen verlangt nach dem Spinaker, also dann, Segelwechsel. Für die Nacht ist das allerdings wieder nichts. Der Himmel zieht wieder zu und Regenwolken kommen auf, da ist die Fock mal wieder die bessere Wahl.
  

Die heutige Nacht hat es in sich. Zappenduster ist es, vor uns sieht es auch als wollte es nie mehr wieder hell werden wollen, richtig unheimlich ist das und doch ist ein wunderschöner Sternenhimmel zu sehen. Allerdings dürfte es morgen eigentlich keinen Sternenhimmel mehr geben, denn was zwischen 23:00 und 01:00 Uhr passiert, ist nicht von dieser Welt.
Sternschnuppen, eine nach der Anderen. 63 habe ich gezählt, und das waren nur die, die ich ganz deutlich gesehen habe, die die im Augenwinkel vorbeiflitzten sind da nicht mal mit dabei.
Zum Wachwechsel um 03:00 Uhr zeigt das GPS noch eine Distanz von 1599sm.
Wir kommen also wieder gut voran und haben ein Etmal von 110.
Martin hat in dieser Nacht noch eine spannende Begegnung. Ab und zu ist hier doch noch jemand unterwegs und manchmal auch auf etwas ungewöhnlichem Kurs. So auch ein Segler, aus 40° kommend, dem Martin dann auch noch ausweichen muss.
Alles in einem eine recht unruhige Nacht mit etwas wenig Schlaf, und zu allem Überfluss gibt es mal wieder einen kleinen Schauer.
Ziemlich überflüssig ist auch, das der Generator nicht mehr funktioniert, nicht mehr anspringt. Das wäre eine ziemliche Einschränkung, müssten wir ohne den auskommen. Für Geräte wie den Backofen, den Wasserheizer, die Entsalzungsanlage, etc. brauchen wir den Generator und auch um ausreichend Strom zu haben für den Kühlschrank und den Tiefkühler.

Also ist am Freitag eine der ersten Taten von Thomas, sich um den Generator zu kümmern, d.h. mal wieder in den Motorraum. Es dauert eine Weile doch er findet den Übeltäter, eine kleine, versteckte Sicherung war durchgeschmort. Diese erneuert schnurrt der Generator wieder wie eine Eins. Juhu!
Auch heute ist der Himmel zwar etwas bedeckt doch es ist und bleibt trocken und Wind zum Segeln haben wir auch und das reicht uns schon! Was wohl in den letzten Tagen nicht so ganz gereicht hat, der Schlaf. Es scheint als könnte davon jeder von uns eine ordentliche Portion gebrauchen, denn heute scheint bei allen ein wenig die Luft raus zu sein und es macht sich ein gewisse Abgeschlagenheit breit. Da bringt auch die immer wieder gern gegessene, fangfrische Dorrade heute keinen aus dem Häuschen.
Nichts desto trotz gibt es auch heute wieder „Hundewache", und zwei Minuten nach Beginn zeigt das GPS noch 1500sm an. Das ist doch was denn bald ist Bergfest!
Bis dahin gibt es noch allerhand zu tun, denn die dicken Wolken über uns bringen ganz schön Arbeit mit sich: Segel reffen, Segel raus, wieder reffen, wieder raus. Naja, wichtig ist wir kommen voran und das ist so, denn wir haben wieder ein Etmal über 100sm und das ist ganz in Ordnung. Was ich nicht so in Ordnung finde ist die Dünung die sich in der Nacht aufgebaut hat, zu mal es fast eine kleine Kreuzsee gibt, da die Dünung von Norden her kommt und der Wind und die Welle ehe achterlich, was zur Folge hat, das wir ganz schön durchgeschaukelt werden.

Es ist Samstag der 15.12. und heute ist Bergfest. Wir haben schon ausgezählt in wessen Wache die magischen 1400sm erreicht sind, und es wird ihn Petras Wache sein, also nach Mitternacht und bis dahin passiert heute nicht mehr all zu viel. Wir sehen noch ein paar Wale, auch wieder nur kurz, doch sie waren da. Dann ist da noch ein anderer Segler, der da am Horizont auftaucht. Nicht nur das, der ruft uns auch über Funk an und berichtet von Problemen mit seiner Rollfock und das er unterwegs ist nach Martinique. Helfen können wir da natürlich nicht, aber dennoch: Mast und Schotbruch!
00:34 Uhr als Petra den Eintrag „Halbzeit" und die Position 18° 18,051 N / 037° 18,226 W ins Logbuch schreibt. Naja, die Party fiel zugegebener Maßen etwas bescheiden aus, bzw. ist irgendwie ausgefallen. Ist ja auch eine etwas unchristliche Zeit. So segeln wir durch die Nacht in einen wunderschönen neuen Tag hinein, in den Sonntag den 3. Advent.

Und da das heißt, das die Feiertage schon fast vor der Tür stehen und deswegen wünschen wir jetzt schon ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und schöne Stunden.
Wer jetzt noch ein Rezept für die Feiertage braucht, hier ist es:

Fischfilet überbacken mit Tomaten
Zutaten für 4 Portionen:
4 große, frische Fischfilets
4 Tomaten ( gehäutet, entkernt und gewürfelt )
2 EL Olivenöl
1 kl. Becher Creme Fraiche
100 g geriebenen Käse ( Parmesan und Emmentaler je zur Hälfte )
1 kleine Zwiebel ( fein gehackt )
1 Knoblauchzehe ( gepresst, oder fein gehackt und zerdrückt )
1 EL Dill gehackt
2 EL Petersilie gehackt
Paniermehl
1 Zitrone
Salz, Pfeffer, Cayenne Pfeffer

Das Olivenöl in eine Pfanne geben und erhitzen, die Zwiebeln darin andünsten, die Tomaten und die Knoblauchzehe hinzufügen und mitdünsten. Vom Herd nehmen und mit Salz, Pfeffer und Cayenne Pfeffer pikant abschmecken, die Kräuter zugeben, Creme Fraiche und Käse unterheben. Alles mit Paniermehl abbinden bis eine leicht streichfähige Masse entsteht.
Die Fischfilets mit der Zitrone säuern, dann salzen und pfeffern und in eine mit Olivenöl gefettete Auflaufform legen. Die Fischfilets mit der Masse großzügig bestreichen und ab in den Ofen bei Heißluft 180°C für ca. 30 Minuten.

Dazu entweder einen gebratenen Gemüsereis, oder klassisch ein paar Salzkartoffeln, oder oder oder.
Gutes Gelingen und guten Appetit!

Wie es auf unserem Atlantiktörn weiter geht, was die neue Woche uns so gebracht
... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long
und nochmal Frohes Fest
wünschen

Diana + Thomas
Petra + Martin